Medikamente bei Morbus Crohn

Die Behandlung des Morbus Crohn hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und welche Teile des Verdauungstraktes betroffen sind. Bei leichtem Verlauf können Medikamente helfen, die Salicylate genannt werden. Medikamente mit den Wirkstoffen Sulfasalazin (Handelsnamen: z.B. Azulfidine®, Colo- Pleon®, Pleon® RA, Salazopyrine®, Sulfasalazin HEXAL®, Sulfasalazin-Heyl®, Sulfasalazin medac®) und Mesalazin (Handelsnamen: z.B. Asacolitin®, Claversal®, Pentasa®, Salofalk®) sind die meist genutzten Salicylate. Fisteln im Bereich des Afters werden durch Antibiotika mit Wirkstoffen wie Metronidazol und Ciprofloxacin behandelt.

Glukokortikoide ("Kortison"-Präparate) z.B. mit dem Wirkstoff Prednisolon werden bei schwereren Krankheitsschüben eingesetzt. Sie unterdrücken das Immunsystem und sollen wegen ihrer Nebenwirkungen nur zur Behandlung eines Krankheitsschubes, nicht jedoch langdauernd zur Erhaltung der Beschwerdefreiheit ("Erhaltungstherapie") eingesetzt werden.

Bei noch schwereren Verläufen des Morbus Crohn werden ergänzend oder anstatt der Glukokortikoide Medikamente verordnet, die das Immunsystem verändern; dies sind vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Azathioprin. Azathioprin kann bei Patienten mit kortisonabhängigem oder chronisch-aktivem Verlauf und bei Patienten mit Fistelleiden auch zur Erhaltungstherapie verwendet werden. Es wirkt aber erst nach drei bis sechs Monaten der Einnahme. Mit den TNF-alpha-Antagonisten Infliximab (Handelsname: Remicade®) und Adalimumab (Humira®) stehen hochpotente Medikamente für besondere, schwere Krankheitssituationen zur Verfügung, die aber wegen des möglichen Nebenwirkungsrisikos nur als Mittel der dritten Wahl bei hochgradig aktivem Morbus Crohn und bei schwersten Fistelleiden eingesetzt werden. Über den Nutzen eines breiteren Einsatzes wird diskutiert.

Bei den neu zugelassenen Antikörpern 2013/14 ist vorerst nur für Vedolizumab die Zulassung für Morbus Crohn erteilt worden. Anders wird das bei den ersten "Generika" der biotechnologisch erzeugten Antikörper (der "Biologika") sein, die aber wegen des komplexeren Produktionsprozesses nicht "Generika" heißen, sondern "Biosimilare Arzneimittel" (oder "Biosimilars"). Der komplexe Produktionsprozess führt auch dazu, dass einige der neuen Arzneimittel von den Behörden länger und enger überwacht werden. Sie sind auf der Packungsbeilage und in der Fachinformation besonders gekennzeichnet: "? Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung".

Momentan wird eine Vielzahl neuer Therapien in klinischen Studien geprüft. Nachdem einige Jahre der Schwerpunkt auf den Biologika, also auf sehr großen Molekülen lag, rückt nun die Gruppe der "small molecules", d.h. der kleinen Moleküle (zu der auch die klassischen Immunsuppressiva gehören), wieder stärker ins Interesse (z.B. Januskinase (JAK)-Inhibitoren, siehe Bauchredner 3/2016, 54-60). Die Anzahl der Medikamente, die letztendlich keine Wirksamkeit zeigen oder aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils nie zur Zulassung kommen, bleibt jedoch sehr hoch.

Was kann ich von der Behandlung erwarten?

Das Ausmaß des Erfolgs einer Behandlung des Morbus Crohn schwankt. Eine Heilung der Erkrankung ist zwar nicht bekannt, doch viele Betroffene sind über lange Zeiten hinweg frei von spürbare Zeichen der Erkrankung. Eine konsequente Selbstbeobachtung der Patienten und regelmäßige Arztbesuche sind erforderlich, um Anzeichen eines neuen Krankheitsschubes und eventuelle Komplikationen des Morbus Crohn so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Bei schweren Schüben der Erkrankung kann eine Krankenhausaufenthalt nötig werden. Bei ungefähr zwei von drei Patienten mit Morbus Crohn ist dabei mindestens einmal im Leben auch ein chirurgischer Eingriff nötig, z.B. zur Entfernung einer Engstelle (Stenose) im Darm oder zur Behandlung von Fisteln, Fissuren oder Abszessen. Meist wird dabei der erkrankte Darmabschnitt sparsam entfernt und die gesunden Enden wieder verbunden. Ein dauerhafte Vermeidung weiterer Krankheitsschübe durch Operation ist allerdings - anders als bei der Colitis ulcerosa - nicht möglich.

Bei lang andauernder Aktivität der Erkrankung können Betroffene depressiv werden oder andere Störungen des Gemütszustandes bekommen. In solchen Fällen wird der verständnisvolle Arzt dem Patienten psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung anbieten. Nicht immer sind dabei Gespräche mit Therapeuten nötig, die möglichst Erfahrungen mit chronischen Erkrankungen haben sollten. Oft hilft auch die Teilnahme an einem Schulungsprogramm zur Krankheitsbewältigung oder die Begegnung mit Gleichbetroffenen in einer Selbsthilfegruppe.

Der Morbus Crohn ist zwar eine schwerwiegende chronische Erkrankung, als tödliche Krankheit wird er jedoch nicht angesehen. Trotz Einnahme von Medikamenten und gelegentlichen Krankenhausaufenthalten können die meisten Betroffenen ein glückliches und auch im Beruf erfolgreiches Leben führen. Das gilt vor allem für diejenigen Patientinnen und Patienten, die sich aktiv mit den Auswirkungen des Morbus Crohn auseinandersetzen und sich über Hilfsangebote informieren.

Medikamente bei Morbus Crohn

finden Sie im Bauchredner 2/2014 "Medikamente bei CED" (im Bauchredner-Archiv oder im DCCV-Shop).

Prof. Dr. med. Britta Siegmund, Bauchredner 2/2014

Medikamente in der Übersicht

Die medikamentöse Therapie des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa richtet sich nach der Erkrankung, der Krankheitsphase und der aktuellen Krankheitsaktivität. Ziel dieses Artikels ist es, die Medikamente einer Krankheitsphase zuzuordnen: ...

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Prof. Dr. med. Klaus Herrlinger, Bauchredner 2/2014

Therapiestrategien bei Morbus Crohn: Schema F oder individualisierte Therapie?

Hat der einleitende Artikel die für die Therapie des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa gebräuchlichen Medikamente vorgestellt, geht es hier um ihre Anwendung in der konkreten Behandlungssituation des Morbus Crohn...

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Dr. med. Henrike Lenzen, Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Bachmann, Bauchredner 3/2016

Zukünftige Biologika und kleine Moleküle

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind bisher nicht heilbar. Die Therapiemaßnahmen zielen daher darauf ab, die Beschwerden zu verringern und den Entzündungsprozess zu stoppen. Grundlegende neue Erkenntnisse in den letzten Jahren haben zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge der bei CED ablaufenden Entzündungsprozesse geführt. Das eröffnet viele Möglichkeiten zur Entwicklung neuer therapeutischer Wirkstoffe. Momentan wird eine Reihe in klinischen Studien geprüft. Die Anzahl der Medikamente, die letztendlich keine Wirksamkeit zeigen oder aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils nie zur Zulassung kommen, bleibt jedoch sehr hoch. *** Update Oktober 2017: Die Entwicklung von Mongersen (siehe S. 58) wird in der Phase 3 aufgrund mangelnder Effektivität gestoppt.

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Erstellt: 19.05.2014 Letzte Änderung: 18.07.2017

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