Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP)

Auslöser der Paratuberkulose des Rinds (Johne'sche Krankheit)* - auch des Morbus Crohn beim Menschen?

*) Nicht zu verwechseln mit der - auf den Menschen übertragbaren - Tuberkulose der Rinder, die von Mycobacterium bovis ausgelöst wird, siehe etwa Christina Hucklenbroich, "Tuberkulose der Rinder: Die vergessene Krankheit", Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.11.2013, S. N2; FAZ.NET vom 02.12.2013.

Beim Rind wird die Rinderparatuberkulose oder Johne'sche Krankheit - mit dem Morbus Crohn vergleichbaren Symptomen - durch das Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP) ausgelöst, das auch im Fleisch und der Milch der infizierten Tiere vorkommt.
Bei Crohn-Patienten wurden erhöhte MAP-Konzentrationen im Darm beobachtet (es gibt aber auch Untersuchungen, die das gegenteilige Ergebnis zeigen; der Nachweis ist schwierig). Überhaupt ungeklärt ist, ob die Besiedlung mit MAP der Erkrankung vorausgeht oder vielleicht ihre Folge ist.

Es gibt international allerdings eine Reihe von Forschern (z.B. der renommierte Londoner Gastroenterologe Prof. John Hermon-Taylor) und Betroffenen, welche die Krankheitsentstehung des Morbus Crohn durch den Auslöser MAP erklären.

Einen informativen Überblick über die lange Geschichte der Theorie - von 1913 bis 2017 - bietet (auf Englisch) ein Artikel ("A MAP for Crohn’s Disease: Old Theory Gains Momentum") von Ajai Raj auf der Website Gastroenterology & Endoscopy News (10. August 2017).

Antibiotika-Therapie?

MAP-Nachweis

Auch Dr. Saleh A. Naser, Professor an der Burnett School of Biomedical Sciences der University of Central Florida in Orlando, arbeitet daran, die die Rolle von MAP bei der Entstehung von Morbus Crohn zu bestätigen. Naser hat einen Weg entwickelt und patentiert, um MAP in Milch, Blut und Gewebe nachzuweisen.

Phase-III-Studie

Diese Methode macht eine im September 2013 begonnene Phase-III-Studie ("Efficacy and Safety of Anti-MAP Therapy in Adult Crohn’s Disease (MAP US)"; ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01951326) eines israelischen Biopharmazeutischen Unternehmens erst möglich. Bei dieser Studie in Nordamerika und Israel wird eine Antibiotika-Kombination (RHB-104) bei Morbus Crohn getestet (primärer Endpunkt: Remission in Woche 26). Das unabhängige Data and Safety Monitoring Board (DSMB) dieser Phase-III-Studie (MAP US) hat Ende 2016 und Ende Juli 2017 einer Fortsetzung der Studie zugestimmt. Eine zweite Phase-III-Studie (MAP EU) ist in Europa geplant.

In einer offenen (nicht verblindeten) Folgestudie (MAP-US2-Studie) wird die Sicherheit und Wirksamkeit von RHB-104 an Patienten untersucht, die die 26-wöchige Behandlung in der MAP-US-Phase-III-Studie abgeschlossen haben, aber weiterhin an aktiven Schüben von Morbus Crohn leiden.

Über die Wirksamkeit dieser Antibiotika-Kombination gegen MAP berichtet (14.06.2016):
Alcedo KP, Thanigachalam S, Naser SA. RHB-104 triple antibiotics combination in culture is bactericidal and should be effective for treatment of Crohn’s disease associated with Mycobacterium paratuberculosis, Gut Pathogens, 2016, 8:32. DOI: 10.1186/s13099-016-0115-3 (Open Access)

Dass eine (gegen MAP gerichtete) Antibiotika-Therapie zur Heilung des Crohn und nicht nur der Darmschleimhaut (ein unsicherer Heilungsanzeiger, weil beim Crohn die ganze Darmwand betroffen ist) beiträgt, geben die Forschungsergebnisse zumindest bisher nicht her.

Hoffnung auf einen einzelnen Auslöser?

Komplexe Erkrankungen = Ursachenbündel

CED sind komplexe Erkrankungen, deren Ausbruch einer Vielzahl von Faktoren bedarf (darunter mehrere gleichzeitg vorliegende Genmutationen; die bekannteste für den Crohn, die des NOD2/CARD15-Gens ist offenbar auch mit der Rinderparatuberkulose verbunden).
Vermutlich ist der Crohn kein einheitliches Krankheitsbild und die Krankheitsauslöser (Gene, Umweltfaktoren) unterscheiden sich u.U. nach der Ausprägung (Lokalisation).

Vielleicht gibt es eine Form des Crohn, der durch MAP (mit) zum Ausbruch gebracht wird.

Das deutet auch der Verfechter der MAP-Theorie, Saleh Naser, Ph.D., von der University of Central Florida an: "I do acknowledge that not necessarily all the Crohn’s disease cases are caused by MAP. However if we can identify those Crohn’s patients that are MAP positive, and we give them those three antibiotics, then the bacteria will be gone and if the bacteria is gone, then the symptoms should be gone and the disease should be cured until next time because we have to acknowledge that this bacteria infects cows, goat, and sheep; if the patient is consuming uncooked meat or contaminated milk, there’s a possibility that the patient will acquire the disease and the MAP infection again."
Ivanhoe Newswire (2015, January 28), Closing in on a Cure for Crohn’s: MAP -- In-Depth Interview. Medical Breakthroughs.

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Forschung in Deutschland

Auch in Deutschland arbeiten Forscher wie die Gastroenterologen Prof. Dr. Raja Narayana Atreya (Ludwig-Demling-Forschungspreis 2009) und Prof. Dr. med. Markus Neurath (DCCV-Forschungspreis 1997) am Uniklinikum Erlangen oder Prof. Dr. Elke Roeb aus Gießen oder der Veterinär Prof. Dr. Ralph Goethe von der TiHo Hannover - teilweise interdisziplinär - an der Fragestellung einer möglichen Verbindung von Crohn und MAP, z.B. von 2007 bis 2013 in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten ZooMAP-Verbund (www.zoo-map.de). Bisher gibt keine diese Vorstellung bestätigenden Hinweise (siehe unten die Artikel im Bauchredner).

Prof. Dr. med. Elke Roeb, Bauchredner 2/2012

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Morbus Crohn und atypischen Mycobakterien (MAP)?

Das Mycobacterium avium subspecies (subsp.) paratuberculosis (MAP) ist ein Keim, der häufig mit dem Morbus Crohn in Verbindung gebracht wird. ...

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Prof. Dr. Ralph Goethe, Dr. Tina Basler, Bauchredner 3/2009

Mycobacterium avium ssp. - Welche Bedeutung hat der Durchfall-Erreger des Rindes beim Menschen?

Den Verdacht, dass – zumindest einige Formen des – Morbus Crohn durch die Infektion mit einem Krankheitserreger ausgelöst werden könnte, haben Wissenschaftler schon seit längerer Zeit. Die vom Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) ausgelöste Johne‘sche Krankheit weist ähnliche Symptome wie Morbus Crohn auf. Ob eine Infektion mit den Erregern tatsächlich ein Grund für den Ausbruch eines Morbus Crohn ist, ist aber weiter unklar. Ein vom BMBF gefördertes Projekt untersucht nun diesen Zusammenhang.

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Erstellt: 30.07.2014 Letzte Änderung: 11.08.2017

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