CED-Medikamente - Welche Bedeutung hat das für das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs? Was wird bei leichten Verläufen empfohlen?

(Aktualisiert am 08. Arpil 2021)

Eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 unterscheidet sich von dem Verlauf anderer Infektionserkrankungen, bei denen von der Ansteckung bis zu den ersten Krankheitszeichen nur wenige Tage und zum Teil nur Stunden vergehen.
Bei COVID-19-Erkrankungen sind die Verläufe sehr unterschiedlich: ein langsamer Verlauf mit zunehmender Schwere kann genauso beobachtet werden wie schnelle, sich stetig verschlechternde Krankheitsverläufe.

Menschen mit einer CED und einer immunsuppressiven Therapie haben generell kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung. Eine immunsuppressive Therapie sollte deshalb bei einer leichten bis moderaten COVID-19-Erkrankung nicht reduziert werden. Die Ausnahme bildet eine Therapie mit Kortison über einen längeren Zeitraum und mit einer Dosis von mehr als 20 Miligramm pro Tag. Diese Therapie sollte möglichst vermieden und wenn der*die Ärzt*in es für vertretbar hält reduziert oder sogar ausgeschlichen werden. (Empfehlung 3.1. der S2K-LL)

Wichtig ist, die CED-Therapie nicht einfach abzusetzen und auch mit dem*der Ärzt*in darüber zu sprechen, ob dies überhaupt möglich ist. Ein Aussetzen oder eine Dosisverringerung der immunsuppressiven Therapie erhöht das Risiko, dass sich die Krankheitsaktivität der CED erhöht. Und ein CED-Schub erhöht wiederum das Risiko eines schwereren COVID-19-Verlaufs.

Mit dem*der Ärzt*in könnte überlegt werden, ob Medikamente, die sich auf die Arbeit der virusbekämpfenden Immunzellen auswirken, bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 abgesetzt oder ersetzt werden. Dazu gehören neben den oben erwähnten Steroiden, Thiopurine, JAK-Inhibitoren und auch Calcineurininhibitoren. Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist, ist abzuwägen.

Anders sieht die Empfehlung bei schweren COVID-19-Verläufen aus:
Menschen mit einer CED und einer schweren COVID-19-Erkrankung sollten bei der Therapie mit Thiopurinen, Methotrexat (MTX) und Tofacitinib pausieren und nachdem sie die Infektion überwunden haben, wieder mit der Therapie beginnen. (Empfehlung 3.2. der S2K-LL)

Wenn die Gabe von TNF-alpha-Blockern, Ustekinumab oder Vedolizumab in die Zeit fällt, in der die COVID-19-Erkrankung in einer schweren Phase ist, dann wird gesagt:
Bei Menschen mit nachgewiesener COVID-19-Erkrankung kann im EINZELFALL die Therapie mit TNF-alpha-Antikörpern, Ustekinumab und Vedolizumab pausiert werden und, nachdem die Infektion überwunden ist, wieder aufgenommen werden. (Empfehlung 3.8. der S2K-LL)

Die Möglichkeit besteht, die Infusion mit TNF-alpha-Antikörpern bei einem schweren COVID-19-Verlauf um 14 Tage zu verschieben und nach Ausheilen der Erkrankung zu geben. Bedacht werden muss, dass diese Wirkstoffe sehr lange im Körper bleiben (eine lange Halbwertzeit haben). Außerdem zeigte sich in bisherigen Datensammlungen, dass eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern, Vedolizumab oder Ustekinumab kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei COVID-19 hervorruft. TNF-alpha-Blocker könnten sogar vor Organschädigung schützen, die durch einen sogenannten Zytokinsturm bei einer COVID-19-Erkrankung verursacht werden kann.

Es wird außerdem dringend zur Impfung geraten, da insbesondere unter Kortison und klassischen Immunsuppressiva (Azathioprin, Methotrexat) schwere Verläufe vorstellbar sind bzw. teilweise nachgewiesen wurden (siehe dazu auch Bauchredner-Artikel "Die Impfungen gegen SARS-CoV-2 – unbedenklich bei einer CED?" aus Ausgabe 1/2021 ab S. 93 sowie https://gut.bmj.com/content/70/4/725). Weitere Informationen zur Corona-Impfung für CED-Betroffene finden Sie hier.

Quelle:  S2k-Leitlinie „Betreuung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in der COVID-19-Pandemie – offene Fragen und Antworten“​​​​​​​

 

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