Bilden Menschen mit CED Antikörper nach einer COVID-19-Impfung?

(Aktualisiert 18.05.2021)

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) gehören zu den immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen. Menschen mit einer solchen „IMID“ (immune-mediated inflammatory diseases) und Menschen unter immunsuppressiver Therapie waren bei den Zulassungsstudien der zurzeit verfügbaren COVID-Impfstoffe nicht eingeschlossen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) weist bei der Information der Impfstoffe darauf hin: „Zu immungeschwächten Personen (Personen mit geschwächtem Immunsystem) liegen keine Daten vor. Wenngleich Personen mit geschwächtem Immunsystem möglicherweise nicht so gut auf den Impfstoff ansprechen, bestehen keine besonderen Sicherheitsbedenken. Immungeschwächte Personen können trotzdem geimpft werden.“

Nun liegen erste Daten dazu vor, wie gut die Impfstoffe bei Personen mit geschwächtem Immunsystem wirken. In einer Studie am Deutschen Zentrum für Immuntherapie in Erlangen wurde untersucht, ob die Impfung gegen das Coronavirus bei Menschen mit IMID die beabsichtigte Antikörperbildung gegen das Virus auslöst. Von Dezember 2020 bis März 2021 wurden bei 84 Menschen mit einer IMID und 182 Menschen ohne eine solche Erkrankung (gesunde Kontrollpersonen) die Antikörper nach der Impfung mit BionTech/Pfizer bestimmt. In der Gruppe waren auch 8 Menschen mit CED eingeschlossen. Keine der Personen in der Studie hatte bereits eine COVID-19-Erkrankungen durchgemacht. Alle bis auf eine Kontrollperson und die meisten der Personen mit einer IMID zeigten auf die Impfung eine Immunantwort. Nur bei 3 von 84 Personen mit IMID konnte auch am 39. Tag nach der zweiten Impfung keine Immunantwort mit Antikörperbildung nachgewiesen werden. Bei der Kontrollgruppe zeigte 1 der 182 Kontrollpersonen keine Immunantwort. Die Antikörper der Testpersonen wurden daraufhin untersucht, ob sie das Coronavirus umhüllen und unschädlich machen können. Bei 76 der 84 Menschen mit IMID waren die Antikörper dazu in der Lage, bei den Kontrollpersonen waren es 181 der 182 Menschen. Unabhängig von der Erkrankung und der Behandlung war die Antikörperbildung bei Menschen mit IMID im Vergleich zu den Kontrollpersonen also etwas schlechter, aber bei den meisten konnte eine Immunreaktion nachgewiesen werden. Bei allen IMID-Betroffenen konnte außerdem eine gute Verträglichkeit der Impfung nachgewiesen werden.

In einer früheren Studie an der Universität Kiel mit 26 Personen mit IMID im Vergleich zu 42 gesunden Kontrollpersonen entwickelten hingegen alle 26 Personen (3 davon mit einem Morbus Crohn) eine Antiköperantwort nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer).

Neben den Antikörpern bildet das Immunsystem nach dem Kontakt mit dem Impfstoff – dem Hüllenteilstück des Coronavirus – aber auch sogenannte Gedächtniszellen. Diese Immunzellen bleiben im Körper und können das Coronavirus beim Eindringen in den Körper sehr schnell erkennen und sofort mit Abwehrmaßnahmen reagieren. In dieser Studie wurde nicht untersucht, ob Menschen mit IMID diese Gedächtniszellen bilden (die sogenannte zelluläre Immunantwort – im Vergleich zu den Antikörpern, die als humoralen (humoral= die Körpersäfte betreffend) Immunantwort bezeichnet werden). Zur zellulären Immunantwort, welche ein wesentlicher Bestandteil des Impfschutzes ist, werden zurzeit weitere Studien durchgeführt.

In der aktuellen Studie konnte nicht gezeigt werden, ob und welche Arzneimitteltherapien für die entzündlichen Erkrankungen möglicherweise für die reduzierte Immunantwort verantwortlich sind. 24 Menschen aus der IMID-Gruppe erhielten zum Zeitpunkt der Impfung keine immunmodulatorische Therapie, von diesen hatten einige ebenfalls eine geringere Immunantwort auf die Impfung, sodass die Forscher*innen daraus schließen: Auch die entzündlichen Grunderkrankungen selbst können die Immunantwort auf die Impfung beeinflussen.

Fazit der Forscher*innen aus der aktuellen Untersuchung:

  • Menschen mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen zeigen grundsätzlich eine Immunreaktion auf eine SARS-CoV-2-Impfung, diese kann aber möglicherweise verzögert und reduziert stattfinden.
  • Die Erkrankung selber kann eine Auswirkung auf die Impfung haben, unabhängig von der Therapie. Somit gibt es keine Notwendigkeit, die Einnahme der immunmodulatorischen Therapien zum Impftermin zu pausieren.
  • Bei einigen Menschen mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen ist es sinnvoll, den Antikörpertiter nach der Impfung zu bestimmen – genaue Angaben, nach welchen Kriterien das erfolgen könnte, werden in dem Artikel aber nicht gemacht.

Ob in Einzelfällen mehr als zwei Impfungen für Menschen mit IMID sinnvoll sind, um die Immunantwort weiter zu steigern, wurde im Rahmen dieser Studie nicht angesprochen. Hierzu liegen leider noch keine aussagekräftigen Studien vor.

Quellen:

  • Simon D, et al. SARS-CoV-2 vaccination responses in untreated, conventionally treated and anticytokine-treated patients with immune-mediated inflammatory diseases et al. Ann Rheum Dis 2021;0:1–5. doi:10.1136/annrheumdis-2021-220461
  • Geisen UM, et al. Immunogenicity and safety of anti-SARS-CoV-2 mRNA vaccines in patients with chronic inflammatory conditions and immunosuppressive therapy in a monocentric cohort. Ann Rheum Dis 2021;0:1–6. doi:10.1136/annrheumdis-2021-22027

CS, 18.05.2021

Wir danken Prof. Raja Atreya (Universität Erlangen) für die Zusammenarbeit bei dieser Studienzusammenfassung.


Erstellt: 20.05.2021 Letzte Änderung: 27.05.2021

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