Hermann-Strauß-Forschungspreis 2014

chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Wie lassen sich Mukosaheilung und damit das Therapieansprechen besser voraussagen?

20.09.2014

Berlin/Leipzig - Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV) hat heute in Leipzig den Hermann-Strauß-Forschungspreis der DCCV 2014, gestiftet durch die Firma AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, an Diplom-Biologin Tatiana Tolstik aus Jena vergeben.

Frau Tolstik ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Innere Medizin IV (Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie) des Universitätsklinikums der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Klinikdirektor: Prof. Dr. A. Stallmach) tätig. Das mit 25.000 Euro geförderte Vorhaben „Bedeutung der Raman-Spektroskopie bei Patienten mit Colitis ulcerosa und anti-TNF-?-Antikörpertherapie zur Vorhersage einer stabilen, lang anhaltenden klinischen Remission“ beschäftigt sich mit der Möglichkeit einer Untersucher-unabhängigen Quantifizierung der Abheilung entzündlicher Veränderungen im Intestinaltrakt (“Mukosaheilung“) mithilfe der Raman-Spektroskopie. Verschiedene Studien zeigen, dass bei abgeheilter Mukosa die Prognose der Patienten gut ist und eine immunsuppressive Therapie gegebenenfalls beendet werden kann. Derzeit ist die Erfassung der entzündlichen Aktivität jedoch schwierig und beruht im Wesentlichen auf der subjektiven Einschätzung des Untersuchers.

Der Forschungspreis wurde im Rahmen eines Arzt-Patienten-Seminars am Patiententag der Tagung VISZERALMEDIZIN 2014 von Carola Engler, Mitglied des Vorsands der DCCV, übergeben. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Wolfgang Kruis, Köln, Vorsitzender des Beirats der DCCV.

Was wird erforscht?
Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wird immer häufiger eine Therapie mit anti-TNF-?-Antikörpern durchgeführt. Dabei spricht nur ein Teil der Patienten langfristig auf die Behandlung an (ca. 15-30%). Das Abheilen entzündlicher Veränderungen („Mukosaheilung“) im Darm kann eine günstige Prognose anzeigen; leider kommt es bei der Hälfte der Patienten mit Mukosaheilung zu Rückfällen. Durch die Raman-Spektroskopie (benannt nach dem indischen Physiker C. V. Raman) kann die inelastische Streuung von Licht an Molekülen erfasst werden.1 Sie dient u. a. der Beschreibung des Molekülmusters in einer Probe – ähnlich einem Fingerabdruck – und kann ohne jede Markierung durchgeführt werden. Ziel des Projektes ist die Erfassung einer „molekularen Heilung“ im entzündeten Darm nach anti-TNF-?-Antikörpertherapie, um besser das langfristige Ansprechen vorherzusagen. Hierzu werden Gewebeschnitte von endoskopisch entnommenen Biopsien durch Raman-Spektroskopie charakterisiert und die Muster („Fingerabdrücke)“ mit dem Verlauf der Patienten verglichen. Dadurch können Nebenwirkungen vermieden, Patienten, die auf die anti-TNF-?-Antikörpertherapie ansprechen, frühzeitiger identifiziert, und somit insgesamt Übertherapien vermieden werden.
1 siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Raman-Spektroskopie


Erläuterungen
Der Hermann-Strauß-Forschungspreis erinnert an den Berliner Arzt Dr. Hermann Strauß (1868 - 1944), der ein führender und weltweit angesehener Internist und Wissenschaftler an der Charité und im Jüdischen Krankenhaus Berlin war. Er leistete wichtige Beiträge zur Erforschung und Behandlung von Verdauungs-, Blut-, Nieren- und Stoffwechselkrankheiten. Dieses Stipendium wird – erstmals im Jahr 2014 – von der DCCV vergeben, das Preisgeld von 25.000 Euro wird von der Firma AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG gestiftet.

Es wird für ein Vorhaben im Bereich der präklinischen und Grundlagenforschung zu CED verliehen und soll ein Projekt fördern, das Fragen der Diagnostik, Therapie, Prophylaxe oder Pathophysiologie der CED thematisiert. (Mehr zur Forschungsförderung der DCCV unter https://www.dccv.de/medizinische-fachkreise/forschungsfoerderung/forschungsstipendien/).
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche, in Schüben verlaufende Erkrankungen des Verdauungstraktes. Starke Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, allgemeine Erschöpfungszustände und häufige Durchfälle sind Hauptsymptome. Hinzu kommen Auswirkungen auf andere Organe und seelische Belastungen der Betroffenen. Die Ursachen sind trotz intensiver Forschungen bis heute noch weitgehend unbekannt. Deshalb beschränkt sich die Therapie immer noch auf die Behandlung der Symptome.


Wer ist die DCCV?
Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. ist der Selbsthilfeverband für mehr als 320.000 Menschen in Deutschland, die unter einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder einer mikroskopischen Kolitis leiden. Sie ist eine der größten Patientenvereinigungen Deutschlands. Seit 1982 begleitet die Organisation Betroffene und ihre Angehörige. Das Angebot der DCCV reicht von der Information und Beratung der Betroffenen über die Aufklärung der Öffentlichkeit, Unterstützung in sozialrechtlichen Fragen und der politischen Interessenvertretung, z.B. zur Verbesserung der Versorgungssituation, bis hin zur Forschungsförderung.

Quelle: Pressemitteilung der DCCV vom 20.09.2014 (EW)

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