Früherkennung von Gallengangkrebs durch Kombination von Tumormarker mit Gentest

Es war wie ein kleines Geschenk an die deutschen PSC-Patientinnen und -Patienten: Gleich zwei wichtige neue Veröffentlichungen sind in der Woche vor Weihnachten erschienen. Die eine präsentiert den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie der Primär Sklerosierenden Cholangitis, und die andere erläutert neue Forschungsergebnisse zur Früherkennung des gefährlichen Gallengangkrebs.

07.01.2014

PSC-Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten. Gallengangkrebs gehört dabei zu den tückischsten Erkrankungen. Denn er wird oft erst spät erkannt, so dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Hier versucht nun eine internationale Arbeitsgruppe rund um PD Dr. Daniel Gotthardt vom Universitätsklinikum Heidelberg, die Früherkennung zu verbessern.

Die Wissenschaftler arbeiten weiterhin mit dem Tumormarker CA 19-9 (siehe auch Bauchredner 2/2013, S. 58ff.). Dieser Tumormaker ist ein in der Krebserkennung etablierter Laborwert, der bei einer gewöhnlichen Blutabnahme leicht bestimmt werden kann. Für sich allein genommen ist er zur Früherkennung von Gallengangkrebs bei PSC-Patient(inn)en allerdings oft wenig aussagekräftig. Denn seine Werte können auch durch eine Aktivität der PSC ansteigen, ohne dass eine bösartige Veränderung vorliegt.

In einer Studie an 433 Patient(inn)en, von denen 41 eine Krebserkrankung hatten, wurde die Messung des Tumormakers CA 19-9 mit einem Gentest kombiniert. Der Gentest betrachtete die Aktivität der so genannten Fucosyltransferasen 2 und 3 (FUT 2/3). Auf dieser Basis konnten die Forscher drei Gruppen bilden: Die erste hatte keine FUT3-Aktivität, die zweite eine Aktivität von FUT 2 und FUT 3 und die dritte keine FUT2-Aktivität. Es ließ sich zeigen, dass für jede dieser Gruppen ein anderer Grenzwert des CA 19-9 für die Krebsfrüherkennung entscheidend ist. 
Durch die Beachtung dieser neuen Grenzwerte kann die Aussagekraft des Tumormarkers also deutlich steigen. Falsch-positive Ergebnisse, bei denen man eine Krebserkrankung vermutet, obwohl keine vorliegt, werden reduziert. Ehe der Test in die klinische Praxis eingeführt werden kann, sind allerdings noch weitere Studien mit größeren Patientenzahlen erforderlich.

Die zweite kürzlich erschienene Veröffentlichung ist eine Übersichtsarbeit von Forschern der RWTH Aachen. Hier haben Wissenschaftler die vorhandenen Studien zu PSC ausgewertet und den aktuellen Stand zur Diagnostik und Therapie der Erkrankung zusammengefasst. Dabei gehen sie auch auf die aktuellen Diskussionen um den Nutzen und die Dosierung der UDCA-Therapie ein, stellen die unterschiedlichen Krebsrisiken von PSC-Betroffenen dar und widmen einen Abschnitt der Lebertransplantation. Zuletzt betonen sie, dass PSC-Patientinnen und -Patienten in einem Zentrum betreut werden sollten. Denn dort können die Therapieentscheidungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung durchgeführt werden. Die Übersichtsarbeit steht als Download des Ärzteblattes bereit (Link siehe unten).


Quelle:

Gentest kombiniert mit Tumormarker könnte Früherkennung von Gallenwegskrebs verbessern. Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg vom 16.12.13. Online unter http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/ShowSingleNews.176.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=7196

Wannhoff, A. et al.: FUT2 and FUT3 genotype determines CA19-9 cut-off values for detection of cholangiocarcinoma in patients with primary sclerosing cholangitis. In: J Hepatol. 2013 Dec;59(6):1278-84. doi: 10.1016/j.jhep.2013.08.005. Epub 2013 Aug 16. Abstract online unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23958938

Lutz, Holger H.; Trautwein, Christian; Tischendorf, Jens J. W.: primär sklerosierende Cholangitis: Diagnostik und Therapie. Primary sclerosing cholangitis—diagnosis and treatment. In: Dtsch Arztebl Int 2013; 110(51-52): 867-74; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0867. Online unter http://www.aerzteblatt.de/archiv/151857/Primaer-sklerosierende-Cholangitis-Diagnostik-und-Therapie. Download als pdf unter http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=151857

von: IS (DCCV AK PSC)

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