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News vom: 25.11.2011 09:00 Uhr - Von: TH/PM

Neues Erlanger Zentrum zur Erforschung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen

(Siehe auch unten DCCV-NEWS vom 17.10.2011.)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Einrichtung des Forschungsverbundes CEDER „Molekulare Pathogenese und optimierte Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“ am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In den kommenden drei Jahren werden dafür mehr als 2 Millionen Euro an Forschungsgeldern bereitgestellt, mit denen am Uni-Klinikum u.a. 15 neue Arbeitsplätze für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Technische Angestellte geschaffen werden. Leiter des Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Christoph Becker, Professor für Molekulare Gastroenterologie, an der Medizinischen Klinik 1. Der Forscher befasst sich seit vielen Jahren mit den molekularen und zellulären Zusammenhängen bei der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen.

Als chronisch entzündliche Darmerkrankungen bezeichnet man in Schüben verlaufende Entzündungen der Darmschleimhaut wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Derzeit sind mehr als 300.000 Bundesbürger von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen. „Die Patienten leiden unter heftigen Durchfällen, Krämpfen und Bauchschmerzen“, erläutert Prof. Dr. Markus Neurath. Der Direktor der Medizinischen Klinik 1 ist zugleich Sprecher der neuen Initiative. Er ist auch Mitglied des Beirats der DCCV.

Zu den zerstörerischen Entzündungsprozessen im Darm kommen häufig Folgeerkrankungen wie Entzündungen der Haut. Darüber hinaus haben Patienten mit Colitis ulcerosa ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Bisher stehen für die Behandlung dieser Darmerkrankungen nur unspezifische Immunsuppressiva zur Verfügung. „Doch diese Medikamente unterdrücken das gesamte Immunsystem und erhöhen damit die Anfälligkeit der Patienten für Infektionen. Außerdem haben sie zum Teil beträchtliche Nebenwirkungen“, so Neurath weiter.

Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben zu der Erkenntnis geführt, dass neben Umwelteinflüssen und genetischen Faktoren eine fehlgesteuerte Aktivierung des intestinalen Immunsystems für die Krankheitsentstehung ursächlich ist. „Trotz dieser Erfolge sind die pathophysiologischen Prozesse, die den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zugrunde liegen, noch weitgehend unklar“, sagt Becker. Das Verständnis dieser immunologischen Prozesse ist für die Entwicklung zukünftiger Therapeutika von ganz entscheidender Bedeutung.

Da die untersuchten Mechanismen auch bei anderen Krankheiten eine Rolle spielen, bei denen es zu einer Überaktivierung des Immunsystems kommt, arbeiten in der neuen klinischen Forschergruppe Naturwissenschaftler und Mediziner aus den verschiedensten Bereichen des Klinikums eng zusammen. „In sieben Teilprojekten aus der Medizinischen Klinik 1, der Hautklinik, der Chirurgie und der experimentellen Medizin, suchen wir gemeinsam nach neuen Wegen zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Im Mittelpunkt steht dabei die aktive und zielgerichtete Beeinflussung des Immunsystems“, so die Forscher.

Ziel des Erlanger Forschungsverbundes ist es, optimierte Therapien zu entwickeln, die krankmachende Zellprozesse gezielt unterbinden, die Immunabwehr der Patienten gegenüber Bakterien und Viren jedoch erhalten „Wenn wir besser verstehen, wie die Krankheit entsteht, und welche molekularen Vorgänge dabei eine Rolle spielen, können wir sehr viel präziser mit Medikamenten eingreifen“, erläutert Forschungsgruppenleiter Christoph Becker. Für die Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bedeutet dies im besten Falle nicht nur eine Linderung der Symptome, sondern womöglich eine größere Chance auf Heilung.

Klinische Forschergruppe CEDER: „Molekulare Pathogenese und optimierte Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“
externwww.medizin1.uk-erlangen.de/e110677/index_ger.html

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Forschungsmeldungen, uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2011 vom 23.11.2011: „Erfolgreiche Initiative für Mediziner“ | externhttp://www.uni-erlangen.de/infocenter/meldungen/forschung/2011/11/23/90.shtml