Mögliche Verbindung von TNF-Blockern und Krebs bei Kindern und Jugendlichen
Amerikanische Medikamentenbehörde leitet Untersuchung ein
Seit 2006 ist bekannt, dass bei einigen Jugendlichen, die TNF-alpha-Blocker in Verbindung mit einem weiteren immunsuppressiven Medikament wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin genommen haben, eine seltene Unterform des „Non Hodgkin Lymphoms“ aufgetreten ist.
Nun berichtet die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA in einer „Early Communication“ über Hinweise auf 30 Krebserkrankungen innerhalb der zehn Jahre seit 1998 bei Kindern und Jugendlichen, die mit einer Kombination von TNF-alpha-Blocker und Immunsuppressivum behandelt wurden. Aufgrund dieser Hinweise leitet die FDA nun eine Untersuchung ein, über deren Ergebnisse sie später berichten wird.
Von den 30 bekannten Fällen handelt es sich bei etwa der Hälfte um Lymphome, einschließlich Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome. Darüber hinaus wurden Leukämien, Melanome (Hautkrebs) und solide Tumoren an Organen diagnostiziert.
Die FDA hat alle Hersteller in den USA zugelassener TNF-alpha-Blocker um Ihre Unterstützung bei der Untersuchung gebeten. Nach jetzigen Erkenntnissen, versichert die FDA, sind die möglichen Vorteile einer Behandlung mit TNF-alpha-Blockern größer als die möglichen Risiken.
In Deutschland ist derzeit nur einer der für CED zugelassenen TNF-alpha-Blocker auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zugelassen.
Insgesamt ist der Einsatz einer Anti-TNF-Therapie nur nach sorgfältiger und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll. Diese Abwägung muss durch den Patienten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geschehen, wobei sowohl medizinische Aspekte als auch der Aspekt der Lebensqualität mit einbezogen werden müssen.
Wann der "medizinisch richtige" Zeitpunkt einer Therapie mit Anti-TNF vorliegt, ist unter Experten umstritten. Fakt ist, dass für einige Patienten diese Therapie eine letzte Möglichkeit darstellt, wenn andere Therapien versagt haben. Hier empfinden die Betroffenen den Nutzen im Allgemeinen höher als das Risiko.
Grundsätzlich sieht die DCCV die Betreuung durch sehr CED-erfahrene kindergastroenterologische Ärzte bzw. Zentren als Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Risiken.
Quellen:
FDA/Center for Drug Evaluation and Research.
Early Communication About an Ongoing Safety Review of Tumor Necrosis Factor (TNF) Blockers (marketed as Remicade, Enbrel, Humira, and Cimzia), June 4, 2008.
Fölsch UR, Schreiber S. Nebenwirkungen von anti-TNF-Therapie. Bauchredner 2/2006, S. 75
Stange EF. T-Zell-Lymphome bei Morbus Crohn nach Remicade®. Bauchredner 2/2006, S. 77
Koletzko S. Infliximab für Kinder mit Morbus Crohn ab 6 Jahre zugelassen. Bauchredner 3/2007, S. 80







