Pressemitteilung, 5. Mai 2007 Wissenschaftler aus Leipzig erhält den Ludwig-Demling-Forschungspreis 2007: Wie beeinflussen T-Zellen die Entstehung und den Verlauf von Darmentzündungen? Leverkusen (DCCV) - Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV) hat am 5. Mai 2007 auf ihrer Jahrestagung in Tübingen den von der Falk Foundation e.V. (Freiburg) gestifteten Ludwig-Demling-Forschungspreis 2007 an Dr. Dr. Holm Uhlig verliehen. Der Assistenzarzt an der Universitätskinderklinik in Leipzig erhielt diese Auszeichnung für sein Forschungsvorhaben mit dem Titel "In-situ-Analyse von mukosalen Foxp3+ regulatorischen T-Zellen" Die Laudatio hielt Professor Dr. med. Michael Gregor (Universitätsklinikum Tübingen), der die Bedeutung des Forschungsprojektes für die mögliche Entwicklung neuer zellulärer Therapiemodelle hervorhob. Im Mausmodell haben die T-Zellen, die Gegenstand des prämierten Forschungsprojektes sind, schon einen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Entzündungen gezeigt. Nun soll ihr Verhalten im menschlichen Darm beobachtet werden, und dies insbesondere im Zusammenspiel mit Eiweißen, die ebenfalls Entzündungen regulieren. Eine besondere Aufmerksamkeit des Projektes gilt auch der Einleitung des Zelltods (Apoptose) von Zellen der Darmschleimhaut. Da die regulatorischen T-Zellen das Immunsystem lokal supprimieren können, könnte auf dieser Basis eine neue regenerative zelluläre Therapiestrategie entwickelt werden. Die Verleihung des Ludwig-Demling-Forschungspreises stand im Mittelpunkt der Begrüßung zur Jahrestagung der DCCV in Tübingen. Ditmar Lümmen und Birgit Kaltz, Vorsitzender und stellvertretende Vorsitzende der DCCV, gratulierten dem Stipendiaten und überreichte ihm die Urkunde. Zusätzlich erhielt er die Glückwünsche und einen Scheck in Höhe von 12.500,- Euro von der Dr. Falk Pharma GmbH in Freiburg. Der Ludwig-Demling-Forschungspreis erinnert an den im Jahr 1995 verstorbenen Arzt Professor Dr. Ludwig Demling, der ein führender und weltweit hoch angesehener Fachmann für Erkrankungen der Verdauungsorgane gewesen ist. Der jährlich mit insgesamt 25.000,- Euro dotierte Preis soll ein oder mehrere Forschungsvorhaben in Deutschland fördern, die Fragen der Diagnostik, Therapie, Prophylaxe und Pathophysiologie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen thematisieren. Der Beirat der DCCV hat die Federführung bei der Begutachtung von Anträgen. Das Vergabeverfahren ist einem Leitfaden zu entnehmen, der in der DCCV-Geschäftsstelle in Leverkusen angefordert oder im Internet abgerufen werden kann (www.dccv.de/stipendien/). Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche, in Schüben verlaufende Erkrankungen des Verdauungstraktes. Starke Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, allgemeine Erschöpfungszustände und häufige Durchfälle sind Hauptsymptome. Hinzu kommen Auswirkungen auf andere Organe und seelische Belastungen der Betroffenen. Die Ursachen sind trotz intensiver Forschungen bis heute noch weitgehend unbekannt. Deshalb beschränkt sich die Therapie leider immer noch auf die Behandlung der Symptome. Bei der Colitis ulcerosa ist die Ausdehnung der Entzündung auf End- und Dickdarm beschränkt, während beim Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt (von der Mundhöhle bis zum After) betroffen sein kann. In Deutschland sind nach Schätzungen der DCCV rund 300.000 Menschen von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung betroffen. ___________________________________________________________________________ Kontakt: Susanne In der Smitten, Tel. 0214/87608-12, Fax: 0214/87608-88; Email: ssmitten@dccv.de Diese Pressemitteilung ist auch im Internet abrufbar: www.dccv.de/aktuelles/news/ Wissenschaftliche Zusammenfassung des mit dem Ludwig-Demling-Forschungspreis 2007 ausgezeichneten Forschungsvorhabens von Dr. Dr. Holm Uhlig (Universitätskinderklinik Leipzig) In-situ-Analyse von mukosalen Foxp3+ regulatorischen T-Zellen In der Pathogenese der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) spielt eine dysregulierte Immunreaktion auf die intestinale bakterielle Flora eine wesentliche Rolle. Aufgrund ihrer lokalen immunsuppressiven Eigenschaften können regulatorische T Lymphozyten für regenerative zelluläre Therapien bei Patienten mit CED eine interessante Alternative zu herkömmlichen immunsuppressiven Strategien darstellen. Transkriptionsfaktor Foxp3 exprimierende regulatorische T Zellen beeinflussen im Mausmodell die Entstehung und den Verlauf intestinaler Entzündungen. Die geplante klinisch-experimentelle Studie hat die in situ Charakterisierung von Foxp3+ regulatorischen T Zellen im humanen Darm zum Ziel. Es soll insbesondere untersucht werden, wie Foxp3+ regulatorische T Zellen im lokalen Zytokinmilieu des entzündeten Darms mit proliferierenden Effektorzellen in situ interagieren. Mittels fluoreszenzmikroskopischer Methoden sowie Gen- und Proteinexpressionsstudien soll insbesondere die Induktion von Apoptose in mukosalen Zellen sowie der Einfluss von mukosal sezernierten Zytokinen wie IL-2, IL-23 und IL-6 analysiert werden. Die assoziativen Studien zum Einfluss der Zytokinmikroumgebung in-situ sollen durch funktionelle in-vitro und in-vivo Experimente ergänzt werden. Ein besseres funktionelles Verständnis der molekularen immunsuppressiven Aktivität von regulatorischen T Zellen in der Darmschleimhaut kann zur Entwicklung von zellulären Therapiemodellen für CED beitragen.