Chronisch kranke Kinder und ihre Geschwister
Die Situation von Geschwistern chronisch kranker Kinder wird leider häufig sowohl von uns Eltern als auch vom sozialen Umfeld und den Fachleuten zuwenig beachtet.
Die Tatsache, das Geschwisterkind eines chronisch kranken Kindes zu sein, bedeutet für dieses unter erschwerten Bedingungen seine Rolle in der Familie zu finden und zu behaupten. Die Geschwisterreihe, d.h. ist das betroffene Kind jünger oder älter, spielt eine Rolle für das Verständnis für das chronisch kranke Kind. Es ist für uns Eltern oft schwierig, wenn die gesunden Kinder Ärger und Wut zeigen und sie sich versuchen selbst zu behaupten. Die natürliche Reaktion der Eifersucht wird von uns nicht verstanden. Wir erwarten Einsicht und Verständnis. Leider verlangen wir Ihnen eine Reife ab, die ihrem Alter oft überhaupt nicht entspricht. Wir appellieren an Ihr Gewissen und häufig bitten wir Sie doch "auch einmal nachzugeben".
Wir Eltern sollten den Mut finden den Geschwistern möglichst freien Raum für ihre Auseinandersetzungen zu geben. Das Ausmaß an Belastungen und Beeinträchtigungen ist je nach Krankheitsverlauf sehr umfangreich und vielgestaltig. Immer wieder müssen sie Wünsche zurückstellen, auf gemeinsame Familienunternehmungen verzichten. Sie müssen es ertragen, dass wir uns viel mehr mit dem kranken Kind beschäftigen als mit ihnen. Äußerungen wie "Warum müsst Ihr immer zu zweit losrennen, wenn mein Bruder über Bauchweh klagt!" kommen vielleicht, oft ist es aber so, dass die Geschwisterkinder aus Rücksicht auf die gesamten Umstände ihre Empfindungen nicht äußern. Unsere Ängste werden auf die Geschwister übertragen.
Es ist eine schwierige Situation für uns Eltern, da wir, verständlicher Weise, während eines Schubes unseres chronisch kranken Kindes, unsere ganze Energie und Kraft in die Genesung unseres Kindes stecken wollen und auch müssen. Doch dürfen wir die Geschwister in diesem Moment nicht vergessen. Die Geschwister sind auch noch Kinder und keine kleinen Erwachsenen.
Wenn wir die Möglichkeit haben so sollten wir da keinen falschen Stolz an den Tag legen und unser soziales Umfeld um Unterstützung bitten. Oma, Opa, Tante Onkel können hier wichtige Verbündete für die Geschwisterkinder werden. Es lohnt sich ihnen zu erklären wie, wo und wann sie helfen können z. B. Wenn man sie fragt, ob sie den geplanten Kinobesuch übernehmen können, dann sind diese meistens gerne bereit dazu und lenken ihre positiven Energien in die richtigen Bahnen.
Wichtig ist, dass man mit Geschwistern offen über Fragen, Probleme und Ängste spricht. Es fällt uns nicht immer leicht auch auf alle Fragen zu antworten. Dann ist es auch in Ordnung, wenn man sagt, dass man diese Frage nicht beantworten kann. Wir in der DCCV bieten Eltern-Kindseminare an. Dort haben nicht nur die betroffenen Kinder und deren Eltern die Möglichkeit sich mit anderen auszutauschen, sondern auch Geschwister lernen dort andere Geschwister kennen und sie können sich austauschen und merken sie sind nicht allein.
Spätestens wenn unsere "Crohnis" in einer Remissionsphase sind sollte für die ganze Familie wieder der normale Alltag eingekehrt sein. Das heißt natürlich auch, dass wir unserer "Crohnis" loslassen. Während dieser Zeit, unter einer guten Therapie, sind unsere chronisch kranken Kinder eigentlich "nicht mehr krank" und brauchen somit auch keine "Extrabehandlung".
Zum Alltag gehört auch, dass Sie als Mutter und Sie als Vater nicht zu kurz kommen. Es ist wichtig für Sie, im Freundeskreis, im Sportverein, beim Stadtbummel Lebensfreude zu tanken. Wenn Sie Energie und Lebensfreude ausstrahlen, dann wird es auch Ihren Kindern leichter fallen, mit der Familiensituation umzugehen.
Geben wir unseren Kindern "Wurzeln" und "Flügel" mit!
Stärken wir ihre "Wurzeln" damit ihnen die "Flügel" Freude manchen und sie auch bei Sturm und Wind im Gleichgewicht bleiben.
Das Bayrische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hat eine Broschürensammlung zum Thema Geschwister behinderter oder chronisch kranker Kinder herausgegeben. Erhältlich ist diese beim
ifb Staatsinstitut für Familienforschung
an der Universität Bamberg
Tel. 0951-965250
Email:
sekretariat(at)ifb.uni-bamberg.de






