Ein Erfahrungsbericht
Im Sommer 1983 wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert. Zum Glück wurde diese Feststellung recht früh gemacht (d.h. 3 Monate nach Beschwerdebeginn und einer Gewichtsabnahme von 10 kg durch Durchfälle). Dadurch mußte ich nicht, wie viele andere Betroffene, eine lange Zeit des angeblichen "Simulanten"-Daseins durchleiden.
Barbara Erichsen aus Hannover ist seit 1988 Mitglied der DCCV und war Sprecherin des Arbeitskreises "Ernährungstherapie in schwierigen Krankheitssituationen".
Mit der Erkrankung wurde mein ganzes Leben stark beeinträchtigt. Zunächst wurde ich mit allen Medikamenten therapiert, die zu dieser Zeit in Frage kamen. Es folgten Colostomie-, Fistel-, Abszess-, Ileostomie- und Dünndarmentfernungsoperationen.
In den "Pausen", in denen es mir wieder besser ging, entwickelte ich ein ungeheures Potential an Energie, die danach rief, eingesetzt zu werden. Also machte ich eine Lehre als Spielzeugverkäuferin, eine Umschulung zur Reiseverkehrskauffrau und holte meine Fachhochschulreife nach. Meine große Leidenschaft galt dem Singen in verschiedenen Bands. Hierbei entdeckte ich meine größte Kraftquelle.
Aufgrund meiner letzten Operation stellte sich ein schwerer Mineralstoffmangel ein. Daraufhin war ich 2 ½ Jahre auf eine parenterale Ernährung über einen Port-Katheter angewiesen und mußte mich jede Nacht für 12 – 14 Stunden an die Infusion anschließen. Kontinuierlich nahm ich an Körpergewicht zu, und ich erreichte bei einer Größe von 1,74 m mein Normalgewicht von 64 kg. In dieser Zeit mußte der Port jedoch zweimal entfernt werden: einmal aufgrund eines Abszesses und ein anderes Mal aufgrund einer Portinfektion. Nach der parenteralen Ernährung wurde ich auf eine enterale Ernährung über eine Nasendünndarm-Sonde umgestellt. Hierfür bekam ich eine speziell für mein Nasenloch angefertigte Nasenolive, so daß nur ein blauer Knopf in meiner Nase sichtbar war. Über diese Sonde pumpte ich täglich für 16 Monate Magnesium, Calzium, Kalium und spezielle Sondenkost in meinen Darm. Die Durchführung der Ernährung funktionierte bei mir insgesamt gut und war mit geringen Risiken verbunden.
Einige Ärzte waren überzeugt, daß ich für immer auf die künstliche Ernährung angewiesen sein werde, - aber ich bin auch auf Menschen getroffen, die mit mir darauf vertraut haben, daß ich es anders schaffen kann!
Jetzt habe ich seit Juni 2000 keine Sonde mehr. Juchu!!! Ich löse Elektrolyte in Tee auf, trinke hochkalorische Energie-Drinks und halte mein Gewicht von 54 kg. Ich danke Gott und bin glücklich darüber, daß es funktioniert.
Ich glaube, daß es sich lohnt, zuversichtlich zu sein und daran festzuhalten, daß es immer eine befriedigende Lösung geben kann, auch wenn es manchmal nicht so scheint.






