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Was sind Leitlinien?

Leitlinien beschreiben, wie eine bestimmte Erkrankung festgestellt und behandelt werden sollte, sie sind also eine Richtschnur für Diagnose und Therapie. Sie legen offen, welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nach dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand einen besonderen Nutzen bewiesen haben, und setzen die wissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische Handlungsempfehlungen um. Dadurch sind sie eine Hilfestellung für Ärzte und Patienten. Jedoch handelt es sich nicht um rechtlich verbindliche Richtlinien; insbesondere in begründeten Fällen bleiben Abweichungen möglich.

 

Was haben Leitlinien mit evidenzbasierter Medizin zu tun?

Leitlinien berücksichtigen den aktuellen medizinischen Kenntnisstand. Dazu werden Forschungsergebnisse (sogenannte "Evidenzen") nach ihrer wissenschaftlichen Wertigkeit (sogenannte "Evidenzstärke") beurteilt. Eine einzelne Studie erreicht eine besonders hohe Evidenzstärke, wenn sie alle folgenden Bedingungen erfüllt:

  • Es existiert ein Studienplan mit einem klar formulierten Untersuchungsziel, bevor die Studie beginnt ("prospektiv")
  • Eine große Zahl von Personen nimmt an der Studie teil
  • Die Personen werden nach dem Zufallsprinzip in mindestens zwei Gruppen unterteilt, so dass sich die Gruppen also nicht systematisch voneinander unterscheiden ("randomisiert")
  • Die beiden Gruppen bekommen unterschiedliche Behandlungen, also z.B. die eine die neue Therapie, deren Wirksamkeit vergleichend untersucht werden soll, und die andere Gruppe die bisherige Standardtherapie oder ein Placebo ("Kontrollgruppe", daher die Bezeichnung als "kontrollierte" Studie)
  • Weder die beteiligten Patienten noch die untersuchenden Ärzte wissen, welche Person welcher der beiden Gruppen angehört ("doppelblind")
  • Die ermittelten Daten über die Wirksamkeit der beiden verschiedenen Anwendungen werden statistisch hochwertig ausgewertet, also ihre Power, die Irrtumswahrscheinlichkeiten und Konfidenzintervalle angegeben.

Solche (doppelblinden) randomisierten und kontrollierten Studien (RCT) sind sehr aufwändig und können nicht in jedem Fall durchgeführt werden. Wird auf die Erfüllung einiger der oben genannten Bedingungen verzichtet, so ergeben sich verschiedene Evidenzstärken:

Bewertung der Evidenzstärke

Evidenzstärke

Ia

Systematische Übersichtsarbeiten oder Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien (RCT) der Evidenzstärke Ib

Ib

Mindestens eine gut geplante, randomisierte, kontrollierte Studie (RCT)

IIa

Mindestens eine gut geplante, kontrollierte Studie ohne Randomisierung

IIb

Mindestens eine gut geplante, quasi experimentelle Studie (Fall-Kontroll-Studie)

III

Gut geplante, nicht experimentelle, deskriptive Studien (Vergleichsstudien, Korrelationsstudien)

IV

Klinische Erfahrungen, Fallserien und andere nicht-vergleichende Studien

V

Berichte/Meinungen von Expertenkreisen, Konsensuskonferenzen und/oder klinische Erfahrung ohne explizite kritische Bewertung (Physiologische Modelle, Grundsätze)


Bisweilen werden die Evidenzstärken IV und V in eine Kategorie zusammengefasst.

 

Wie werden Leitlinien entwickelt?

In der Regel berufen die Fachgesellschaften zu den Erkrankungen, für die Leitlinien erstellt werden sollen, Experten zu so genannten Konsensuskonferenzen. Oft werden thematische Arbeitsgruppen gebildet. In diesen Gruppen werden wissenschaftliche Veröffentlichungen bewertet und in der Praxis gewonnene Erfahrungen diskutiert. Auf dieser Basis werden mögliche Handlungsempfehlungen für die Diagnostik und Therapie formuliert. Die Zustimmung zu diesen potentiellen Empfehlungen wird gemessen und so der Grad der Konsensusstärke ermittelt.

Klassifikation der Konsensusstärke

Starker Konsens

Zustimmung von > 95% der Teilnehmer

Konsens

Zustimmung von 76-95 % der Teilnehmer

Mehrheitliche Zustimmung

Zustimmung von 51-75% der Teilnehmer

Kein Konsens

Zustimmung von < 50 % der Teilnehmer


Im Rahmen der Leitlinie gilt dann eine Diagnose- oder Therapiemethode als umso empfehlenswerter, je höher die zugrunde liegenden Evidenz- und Konsensusstärken sind.

 

undefinedAktueller Stand der Leitlinien

undefinedLinks zu den Texten der Leitlinien