© 2010 DCCV
Wie sollten sich Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ernähren?
- Wie sollten sich Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ernähren?
- Was ist eine Mangelernährung?
- Wie kann eine Mangelernährung behandelt werden?
- Kann eine Diät Medikamente ersetzen?
- Was ist eine Laktoseintoleranz und wie kann sie behandelt werden?
- Dürfen Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung Zucker essen?
Wie sollten sich Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ernähren?
Viele Patienten vermuten in einer falschen Ernährung die Ursache ihrer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Außerdem richten sie große Erwartungen an eine direkte therapeutische Beeinflussung der Entzündung durch die Ernährung.
Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für eine Ernährungsform, welche chronisch entzündliche Darmerkrankungen hervorruft. Auch gibt es keine von den allgemeinen Grundregeln einer gesunden Ernährung wesentlich abweichende Ernährungsweise. Für den Alltag bedeutet es, dass auf eine ausreichende Kalorienzufuhr zu achten ist und auch regelmäßig Eiweiß mit der Nahrung aufgenommen werden sollte. Weiterhin darf die Ernährung nicht zu einseitig sein, um ausreichend Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe zuzuführen. Die Mahlzeiten sollten regelmäßig eingenommen werden und die Portionen nicht zu groß sein. Verbote einzelner Nahrungsmittel gibt es für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht. Generell gilt es, Lebensmittel welche dem einzelnen Patienten wiederholt Beschwerden verursachen, aus dem Speiseplan zu entfernen. Hier hilft nur die Beobachtung, die individuellen Unverträglichkeiten zu ermitteln. Häufig werden Hülsenfrüchte, Rohkostsalate, Milch- und Milchprodukte oder fettige Speisen als problematische Nahrungsmittel empfunden.
Die Grundregeln einer gesunden Ernährung fordern einen hohen Verzehr an Ballaststoffen. In Ruhephasen der Erkrankung können Ballaststoffe auch von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gegessen werden. Dabei sollten zunächst kleinere Mengen probiert, und die Ballaststoffzufuhr täglich gesteigert werden. Allerdings werden diese bei höherer Entzündungsaktivität schlecht vertragen. Ballaststoffe führen zu einer weiteren Erhöhung der ohnehin schon häufigen Stuhlgänge und verursachen Krämpfe im Bauchraum. Daher gilt es, in aktiven Erkrankungsphasen die Ballaststoffzufuhr einzuschränken. Auch stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte, Kaffee oder schwarzer Tee mit abführender Wirkung sollten im Schub gemieden werden.
Was ist eine Mangelernährung?
Aufgrund der Tatsache, dass die Nährstoffaufnahme im Dünndarm erfolgt, haben die Morbus Crohn Patienten mit potentieller Dünndarmentzündung häufiger „Ernährungsprobleme“ als die Patienten mit Colitis ulcerosa. Um eine Mangelernährung als Krankheitsfolge zu erkennen, reicht die alleinige Gewichtskontrolle nicht aus. Bedeutsam ist ein Gewichtsverlust, welcher mehr als 10 Prozent in den letzten 6 Monaten beträgt. Der BMI (Body-Mass-Index: Gewicht/Größe2 [kg/m2]) wird als bester Parameter für den Gewichtsverlauf angesehen. Bei Kindern weist ein verzögertes Wachstum auf eine Mangelernährung hin.
Eine Mangelernährung zu vermeiden oder zu beheben ist ein wichtiger therapeutischer Ansatz, da mangelernährte Patienten häufiger und ausgedehnter operiert werden müssen, sich langsamer von chirurgischen Eingriffen erholen und eine erhöhte Komplikationsrate aufweisen.
Wie kann eine Mangelernährung behandelt werden?
Grundsätzlich gilt es, die Aktivität der Grundkrankheit zu reduzieren. Ein Weg, um eine Mangelernährung zu beheben, ist der Einsatz von eiweiß- und kalorienreichen Trinklösungen, welche von vielen Firmen angeboten werden und speziell für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hergestellt sind. Durch industrielle Aufspaltung der Nährstoffe wird die Aufnahme über den Dünndarm erleichtert, allerdings gelingt es nicht bei allen Patienten, die Mangelernährung durch Trinklösung zu behandeln. Durch den Eiweißreichtum der Trinknahrung treten nicht selten Durchfälle auf, so dass eine langsam einschleichende Dosierung sinnvoll ist. Die Anlage eines Portes zur intravenösen Ernährung ist nur selten erforderlich.
Kann eine Diät Medikamente ersetzen?
Durch Studien konnte für Morbus Crohn Patienten (insbesondere Dünndarmbefall) gezeigt werden, dass eine alleinige Behandlung mit Trink- oder Sondennahrung in der Lage ist, einen Schub erfolgreich zu behandeln. Dabei ist die Ernährungstherapie der Behandlung mit Kortikosteroiden zwar unterlegen, aber keinesfalls wirkungslos. Bis die Erkrankung in eine Remission überführt wurde, dauerte es unter Diäten aber länger als unter medikamentöser Behandlung. Praktisch erfolgt die Ernährungstherapie durch enterale bilanzierte Diäten („Astronautenkost“) über eine durch die Nase in den Dünndarm eingebrachte Ernährungssonde. Diese sog. Peptiddiäten oder polymeren Diäten werden in einer Dosis von 2000 - 3000 kcal pro Tag meist mit Hilfe einer Pumpe verabreicht.
Eine parenterale Ernährung (unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes) über intravenöse Katheter ist nur in speziellen Situationen erforderlich. Sie wird unter der Vorstellung einer Ruhigstellung des Darmes eingesetzt. Nach neueren Untersuchungen nimmt aber die Bewegung des Darms ohne Nahrung nicht ab und die Krankheitsaktivität verringert sich auch nicht rascher.
In der speziellen Situation einer hochgradigen Verengung im Darm oder einer vermuteten Darmverletzung, zur Vorbereitung einer Operation hat die parenterale Ernährung ihre Berechtigung.
Für Patienten mit Colitis ulcerosa gibt es kaum Daten, welche die Ernährung als Therapieform untersuchten. Bisher kann keine diesbezügliche Empfehlung gegeben werden.
Die total parenterale Ernährung wird für Colitis ulcerosa Patienten bei einem plötzlich auftretenden schweren Schub meist praktiziert.
Was ist eine Laktoseintoleranz und wie kann sie behandelt werden?
Bei einer Laktose - Intoleranz handelt es sich um eine Milchzuckerunverträglichkeit. Der Milchzucker Laktose kommt in Milch- und Milchprodukten vor. Dieser Zucker wird durch das milchzuckerspaltende Enzym Laktase, welches im Dünndarm in den Darmzellen gebildet wird, aufgespalten. Fehlt die Laktase oder ist deren Aktivität vermindert, so wird der Milchzucker unzureichend gespalten und verbleibt im Darm. Hier verursacht er Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen und Durchfälle. Diese Symptome treten kurze Zeit nach dem Konsum von milchzuckerhaltigen Speisen auf, so dass anhand der Schilderung der Krankheitsvorgeschichte bereits der Verdacht einer Laktoseintoleranz geäußert werden kann. Zur Bestätigung kann eine Laboruntersuchung oder eine Untersuchung der Atemluft des Patienten (H2-Atemtest) herangezogen werden. Neben der angeborenen (primären) Laktoseintoleranz gibt es die erworbenen oder sekundären Formen der Laktoseintoleranz. Man geht davon aus, dass fast ein Drittel aller Erwachsenen (leichte) Symptome der Milchzuckerunverträglichkeit aufweisen. Von den Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wird die Unverträglichkeit von Milch- und Milchprodukten sehr häufig angegeben und sie weisen häufiger als die Normalbevölkerung eine Laktoseintoleranz auf. Vor allem die Morbus Crohn Patienten mit Dünndarmbefall sind davon betroffen, je ausgeprägter und langstreckiger die Entzündung ist, um so weniger milchzuckerspaltendes Enzym wird von den Zellen hergestellt.
Die Behandlung einer Laktoseintoleranz besteht im Meiden von Milch- und Milchprodukten. Zum Glück enthalten nicht alle Milchprodukte auch viel Milchzucker. Auf herkömmliche Schokolade, Speiseeis, Süßspeisen muss meist ganz verzichtet werden. Hingegen werden Hartkäse und Harzer Käse aufgrund des geringen Milchzuckeranteiles besser vertragen. Auf Milch muss nicht verzichtet werden, es gibt im Handel milchzuckerfreie Milchprodukte, Schlagsahne, Butter und Yoghurtprodukte. Auch ist eine hochprozentige Kakaoschokolade ohne Milchzucker erhältlich.
Weiterhin kann das milchzuckerspaltende Enzym Laktase in Apotheken gekauft werden und dient der Verdauung herkömmlicher Speisen und erlaubt so „Diätsünden“.
Dürfen Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung Zucker essen?
Zucker enthält Kohlenhydrate und diese stellen unsere wichtigsten Energielieferanten dar. Das einfachste Zuckermolekül ist der Traubenzucker oder der Fruchtzucker, es besteht aus jeweils nur einem Zuckermolekül und muss im Darm nicht aufgespalten werden (Monosaccaride). Der Haushaltszucker ist aus zwei Zuckermolekülen, einem Trauben- und einem Fruchtzuckerbaustein, aufgebaut (Disaccaride). Die Stärke gehört zu den Polysaccariden, mehr als 1000 Einzelzuckerbausteine sind hier verknüpft, entsprechend schwierig gestaltet sich für den Körper die Aufspaltung in die aufnahmefähigen Einzelmoleküle.
Der Zuckerkonsum der Patienten mit chronisch entzündlichen Darmkrankheiten wurde anhand von Patientenbefragungen ermittelt. Dabei fiel auf, dass Patienten mit Morbus Crohn vor Ausbruch der Erkrankung mehr Zucker konsumierten als Gesunde oder die Patienten mit Colitis ulcerosa. Daher kam die Überlegung, dass eventuell ein erhöhter Zuckerkonsum Auslöser für Morbus Crohn sein könnte. Durch kohlenhydratarme Diäten wurde dieser Überlegung nachgegangen - ohne Erfolg. Es zeigte sich keine Reduktion der Krankheitsaktivität unter Zuckerbeschränkung. Im Alltag ist es außerordentlich schwierig, eine derartige Diät durchzuhalten ohne Mangelerscheinungen zu bekommen. Es kann mit dem heutigen Wissen keine kohlenhydratarme Ernährung für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere für Patienten mit Morbus Crohn, empfohlen werden. Ein guter Ernährungszustand und eine ausgewogene Ernährung sind für eine gute Lebensqualität der Patienten unerlässlich.
Auch wird immer wieder angenommen, dass ein erhöhter Zuckerkonsum das Wachstum von Pilzen im Darm fördert, da sich diese von Zucker ernähren. Auch diese Hypothese konnte durch keine wissenschaftliche Untersuchung belegt werden.







