© 2010 DCCV
Was ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED)?
- Was ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED)?
- Was versteht man unter der Krankheit „Colitis ulcerosa“?
- Was versteht man unter der Krankheit „Morbus Crohn“?
- Welche Symptome geben die Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung an?
- Wie häufig treten die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf?
- Welche Entstehungsursachen werden für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen angenommen?
- Haben die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen genetische Ursachen?
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Rauchen und den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?
- Wie wird eine chronisch entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert?
- Was sind Sigmoidoskopie und Koloskopie?
- Wann wird eine Gastroskopie durchgeführt?
- Was ist eine Doppelballonenteroskopie?
- Wann hilft der Ultraschall weiter?
- Werden Röntgenuntersuchungen eingesetzt?
- Was ist die Kapselendoskopie?
Was ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED)?
Unter dem Oberbegriff der chronisch entzündlichen Darmerkrankung werden zwei Erkrankungen zusammengefasst, der Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (Cu).Beide Krankheiten sind ihrer Ursache nach unklare chronische Darmentzündungen. Der Beginn beider Erkrankungen liegt meist in der Jugend bzw. im jungen Erwachsenenalter.
Der Krankheitsverlauf und die Schwere der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. Sie verlaufen meistens schubweise. Bei vielen Patienten gibt es neben Phasen mit hoher Krankheitsaktivität lange Abschnitte relativer Gesundheit (Remission). Allerdings gibt es auch Patienten mit ständiger Aktivität der Darmentzündung (chronisch aktiv).
Beide chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können nach dem momentanen Erkenntnisstand durch keine medikamentöse Maßnahme geheilt werden. Die Behandlung mit Medikamenten hat das Ziel, die Entzündungsaktivität zu verringern, Rückfälle zu vermeiden und dadurch die Lebensqualität der überwiegend jungen Patienten zu verbessern.
Was versteht man unter der Krankheit „Colitis ulcerosa“?
Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut, die sich gleichförmig vom Rektum unterschiedlich weit mundwärts im Dickdarm ausbreitet und ggf. den gesamten Dickdarm betreffen kann.
Bei der Colitis ulcerosa kommt es zur Ausbildung von Geschwüren in der inneren Schicht des Dickdarmes, der Mukosa. Durch die Zerstörung der Schleimhaut können sich Blut, Eiter und Schleim dem Stuhl beimengen.
Je nachdem, wie weit sich die Entzündung im Dickdarm ausbreitet, werden verschiedene Ausdehnungen unterschieden: Ist lediglich das Rektum (der Mastdarm) befallen, spricht man von einer Proktitis. Dieses Befallsmuster trifft bei Diagnosestellung auf 25-55 Prozent der Patienten zu. Als Proktosigmoiditis bezeichnet man die Entzündung von Rektum und Colon sigmoideum, dem letzten Teil des Dickdarmes. Als Linksseitenkolitis wird die Entzündung bis zur linken Krümmung (Flexur) genannt; dabei ist etwa die Hälfte des Dickdarms entzündet. Unter einer subtotalen Kolitis versteht man eine Ausdehnung der Entzündung fast im gesamten Dickdarm. Ist der gesamte Dickdarm von den Geschwüren betroffen, spricht man von einer Pankolitis. Das sehr seltene „Hineinwaschen“ der Entzündung in die letzten Abschnitte des Dünndarms nennt man „Backwash-Ileitis“.
Schemazeichnung zur Lage der Darmabschnitte und der linken Flexur.
Quelle: DCCV
Was versteht man unter der Krankheit „Morbus Crohn“?
Der Morbus Crohn ist ein chronisch entzündlicher Prozess, bei dem alle Wandschichten des Verdauungstraktes betroffen sein können. Die Ausbreitung ist ungleichmäßig, gesunde und entzündete Abschnitte wechseln sich ab. Alle Abschnitte des Magen-Darm-Traktes können betroffen sein, in seltenen Fällen auch die Mundschleimhaut. Bei Morbus Crohn besteht eine Tendenz zu Fistel- und Abszessbildung.
Am häufigsten wird der Morbus Crohn bei Diagnosestellung im sogenannten Ileozökalbereich, dem Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm, festgestellt. Dieses Befallsmuster liegt bei 40-55 Prozent aller Patienten vor. Als Ileitis terminalis bezeichnet man die Entzündung des letzten Teiles des Dünndarmes. Diese Ausdehnung zeigen etwa 25-40 Prozent aller Patienten. Eine Crohn-Colitis bedeutet, dass der Morbus Crohn den Dickdarm teilweise oder ganz befallen hat. Diese Bezeichnung hat nichts mit einer Colitis ulcerosa zu tun, sondern das Wort „Colitis“ bezeichnet lediglich den von Morbus Crohn befallenen Teil, nämlich den Dickdarm. Bei 15-35 Prozent der Patienten liegt ein alleiniger Kolonbefall vor.
Der Befall des oberen Gastrointestinaltraktes ist mit 5-8 Prozent deutlich seltener. Zu diagnostischen Problemen kann ein alleiniger Befall des Jejunums und oberen Ileums führen, da diese Abschnitte mit dem Endoskop, einem röhrenförmigen Instrument mit Lichtquelle, nicht erreichbar sind und die Entzündung der röntgenologischen oder sonographischen (Ultraschall) Untersuchung entgehen kann.
Welche Symptome geben die Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung an?
Das Leitsymptom der Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist der Durchfall. Dieser kann zu mehr als 20 Stuhlentleerungen in 24 Stunden führen. Bei der Colitis ulcerosa sind die Durchfälle meist blutig oder schleimig, während derartige Beimengungen von den Morbus Crohn Patienten seltener angegeben werden.
Bauchkrämpfe treten sowohl bei Colitis ulcerosa als auch bei Morbus Crohn häufig auf. Vor allem nach den Mahlzeiten, wenn die Verdauungsbewegungen einsetzen, können heftige Schmerzen im Bauchbereich auftreten.
Allgemeinsymptome wie Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit treffen häufiger auf die Patienten zu, welche an Morbus Crohn erkrankt sind.
Ist bei einer Colitis ulcerosa der Enddarm schwer entzündet, kann ein ständiger Stuhl- und Pressdrang auftreten. Diese Beschwerden bezeichnet man auch als Tenesmen. Manchmal kann der Stuhl auch nicht mehr richtig gehalten werden und es kommt zum unwillkürlichen Stuhlabgang. Je ausgedehnter der Dickdarm von der Entzündung betroffen ist, desto ausgeprägter sind die Durchfälle.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Morbus Crohn den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen kann, resultiert eine unterschiedliche Symptomatik. Oberbauchdruck und Völlegefühl können auf einen Befall des Magens hinweisen. Ein erheblicher Gewichtsverlust tritt meist bei einem Dünndarmbefall auf. Heftige Bauchkrämpfe können auf Engstellen im Darm hinweisen. Schmerzen um den Darmausgang oder am Gesäß lenken den Verdacht auf Fisteln oder Abszesse.
Der Patient sollte den behandelnden Arzt stets über eine Änderung der Schmerzintensität oder eine Änderung des Schmerzcharakters informieren, damit eine gezielte Diagnostik eingeleitet werden kann.
Wie häufig treten die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf?
Insgesamt treten die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen relativ selten auf. Ein häufig unklarer Krankheitsbeginn, die Vielzahl klinischer Symptome und Schwierigkeiten bei der Diagnostik erschweren die Häufigkeitserfassung. Bei mildem Erkrankungsverlauf wird die Krankheit eventuell gar nicht festgestellt. Bei der Colitis ulcerosa wird angenommen, dass bis zu 30 Prozent der Fälle nicht erkannt werden.
Unbestritten ist eine steigende Inzidenz der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Inzidenz: Anzahl Neuerkrankter Fälle pro 100000 Einwohner pro Jahr) in den letzten 70 Jahren. Für Europa wird ein Nord-Süd-Gefälle gefunden, wobei die meisten Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Norden leben. Die jährliche Neuerkrankungsrate an Morbus Crohn liegt in Europa zwischen 4-7 bezogen auf 100000 Einwohner, an Colitis ulcerosa erkranken europaweit jährlich 9-12 Patienten pro 100000 Einwohner neu. Für Deutschland wird die jährliche Inzidenz an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa jeweils mit 5 Neuerkrankungen angegeben. Wahrscheinlich sind Patienten mit nur milder Colitis ulcerosa dabei nicht erfasst.
Für die USA wird ähnlich wie in Europa ein Nord-Süd-Gefälle beschrieben. Für Morbus Crohn liegt die jährliche Neuerkrankungsrate pro 100000 Einwohner bei 7-14 und für die Colitis ulcerosa zwischen 8-14.
In außereuropäischen Ländern und außerhalb von Nordamerika treten die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sehr viel seltener auf. In Japan werden die höchsten Inzidenzen für den asiatischen Raum mit 0,8 Neuerkrankungen jährlich pro 100000 Einwohnern an Morbus Crohn und mit 2 Neuerkrankungen pro 100000 Einwohner an Colitis ulcerosa angegeben.
Mit der Prävalenz bezeichnet man die Anzahl Erkrankter bezogen auf 100000 Einwohner. Anhand der jährlichen Neuerkrankungsrate schätzt man ca. 150000 Erkrankte an Morbus Crohn und ca. 90000 Erkrankte an Colitis ulcerosa (spätere Manifestation der Krankheit) in Deutschland. Bezüglich der Geschlechterverteilung liegt eine geringfügige Häufung von Morbus Crohn bei Frauen vor, während das Verhältnis bei Colitis ulcerosa genau umgekehrt ist.
Welche Entstehungsursachen werden für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen angenommen?
Unbestritten ist die multifaktorielle Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dies bedeutet, dass verschiedene krankheitsbegünstigende Faktoren zusammentreffen müssen, um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung auszulösen und aufrechtzuerhalten.
Früher wurden die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu den psychosomatischen Krankheiten gerechnet. Jedoch ist bis heute durch keine Studie belegt, dass bestimmte Persönlichkeitsstrukturen die Ausbildung einer CED begünstigen.
Bis heute gibt es auch keine gesicherten Erkenntnisse zur Bedeutung der Ernährung bei der Entstehung der CED. Der immer wieder in der Literatur angegebene erhöhte Zuckerkonsum bei Morbus Crohn Patienten stellt keinen gesicherten Risikofaktor dar, ebenso konnte bis heute kein positiver Effekt einer zuckerreduzierten Diät auf den Krankheitsverlauf bewiesen werden.
Da sich die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen relativ frühzeitig manifestieren, wurden zahlreiche frühkindliche Ereignisse untersucht. Vermutet wird, dass frühes Abstillen die Entwicklung einer CED begünstigt. Weiterhin gibt es Hinweise, dass Patienten mit Morbus Crohn unter überdurchschnittlich guten sanitären Verhältnissen aufwuchsen. In der Kindheit fehlen so Darminfektionen, die das Immunsystem stimulieren, so dass es vermutlich bei späteren Infektionen zu einer überschießenden Immunantwort kommt.
Verschiedene Bakterienstämme wurden und werden mit der Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Es gibt Untersuchungen, die sich mit dem eventuellen Zusammenhang von Masern, der Masernimpfung und dem Morbus Crohn beschäftigen. Bisher fehlen Beweise, dass ein Zusammenhang existiert.
Auch werden Hinweise untersucht, dass eine Infektion mit dem Mycobacterium avum paratuberculosis (MAP) an der Auslösung des Morbus Crohn beteiligt sein könnte. Bei Tieren (Rinder) löst das Bakterium die „Johnsche Krankheit“ aus, es entstehen im Magen-Darm-Trakt der Tiere dem Morbus Crohn sehr ähnliche Geschwüre. Im menschlichen Blut lassen sich Antikörper gegen dieses Bakterium nachweisen, welche aber nicht für eine Infektion beweisend sind. Die direkte Anzüchtung des Bakteriums im menschlichen (Darm)-Gewebe gilt als beweisend, ist sehr schwierig und gelang bisher sehr selten. Nach einer Studie profitierten nahezu alle Patienten von einer langdauernden antibiotischen Behandlung, die gegen das Bakterium gerichtet war (ähnlich der Behandlung einer Tuberkulose). Weitere Untersuchungen wären erfoderlich, die bis heute umstrittene Annahme des Morbus Crohn als Infektionskrankheit näher zu ergründen.
Es konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden, dass die Colitis ulcerosa seltener auftritt, wenn im Kindes- oder Jugendalter der Blinddarm entfernt wurde.
Haben die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen genetische Ursachen?
Eine genetische Veranlagung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Bei einer entsprechenden Veranlagung kann es als Reaktion auf Umweltfaktoren zu einer veränderten Reaktion des Immunsystems kommen. Angenommen wird ein Überwiegen der entzündungsfördernden Botenstoffe im Vergleich zu den entzündungshemmenden Botenstoffen in der Darmschleimhaut.
Bei 10 Prozent der CED Patienten liegt eine familiäre Häufung vor. Als sicher gilt, dass die Anlage einer CED über zahlreiche veränderte Gene vererbt wird.
Ein erstes wichtiges Krankheitsgen für die Entstehung des Morbus Crohn konnte 2001 auf dem Chromosom 16 gefunden werden, das sogenannte NOD 2-Gen. Wenn dieses Gen reinerbig vorliegt (d.h. von Mutter und Vater weitergegeben), ist das Risiko einen Morbus Crohn zu entwickeln auf das 30-100fache gegenüber der Normalbevölkerung erhöht.
In Zukunft wird die genetische Forschung helfen, weitere Risikofaktoren bei der Entstehung der CED zu identifizieren. Vielleicht können bald ideale Therapie und Therapieantwort auf bestimmte Medikamente anhand des genetischen Musters vorhergesagt werden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Rauchen und den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?
Unbestritten ist heute, dass neben einer genetischen Veranlagung weitere Faktoren die Entstehung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung begünstigen. Rauchen als Umwelteinfluss wurde in zahlreichen großen Bevölkerungsstudien in den letzten 15 Jahren untersucht.
Rauchen stellt einen wesentlichen Risikofaktor für die Entwicklung eines Morbus Crohn dar. Für Raucher ist das Risiko, an Morbus Crohn zu erkranken, auf das Doppelte im Vergleich zu Nichtrauchern erhöht. Diese Risikoerhöhung bleibt noch ca. 5 Jahre nach der Raucherentwöhnung bestehen. Andererseits wirkt sich eine Beendigung des Rauchens günstig auf den natürlichen Krankheitsverlauf aus. Auch für die Rezidivrate nach einer Operation wirkt sich die Nikotinabstinenz günstig aus. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, jeden Patienten mit Morbus Crohn dringend zur Beendigung des Rauchens zu motivieren. Als Nichtraucher können sie unabhängig von einer medikamentösen Behandlung entscheidend auf ihren Krankheitsverlauf Einfluss nehmen.
Einen gegenteiligen Effekt scheint das Rauchen für die Colitis ulcerosa Patienten zu haben. Bei Nichtrauchern oder ehemaligen Rauchern tritt häufiger eine Colitis ulcerosa auf als bei Rauchern. Anders herum ist es umso unwahrscheinlicher, eine zu bekommen, je mehr täglich geraucht wird. Allerdings erlauben die allgemeinen Gesundheitsrisiken des Rauchens nicht, den Colitis ulcerosa Patienten das Rauchen zu empfehlen. Vielmehr sollten auch diese Patienten ermutigt werden, das Rauchen aufzugeben. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass im ersten Jahr nach der Raucherentwöhnung das Erkrankungsrisiko am höchsten ist und mit jedem Jahr der nikotinfreien Zeit sinkt.
Schwierig ist es, krankhafte Körperfunktionen als Erklärung des Zusammenhangs zwischen CED und Rauchen zu finden. Bis heute ist es nicht gelungen, die gegenteiligen Effekte des Rauchens für die Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa aufzuklären.
Aus der Beobachtung, dass Rauchen vor einer Colitis ulcerosa schützt, wurde auch versucht, die Krankheit mit Nikotinpflastern zu behandeln. Die Erfolge waren in den Studien nicht überzeugend, vielmehr beklagten die Patienten erhebliche Nebenwirkungen (Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit). Daher gibt es bis heute keine Empfehlung für den therapeutischen Einsatz von Nikotinpflastern für Patienten mit Colitis ulcerosa.
Wie wird eine chronisch entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert?
Bei der Fahndung nach einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung stehen die ausführliche Anamnese (Patientenbefragung) und die körperliche Untersuchung des Patienten im Vordergrund. Bei der Untersuchung unter dem Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung muss der gesamte Körper des unbekleideten Patienten angesehen werden, da die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen z.B. auch Augen, Haut, Gelenke als sogenannte extraintestinale Manifestation befallen können. Durch Betrachtung der Farbe der Haut und der Schleimhäute gibt es Hinweise auf Blutarmut und eventuelle Mangelerscheinungen. Auch erhält der Untersucher einen Eindruck über den Ernährungszustand und bekommt einen ganzheitlichen Eindruck vom Patienten. Natürlich erfordert der Verdacht einer CED eine besonders gründliche Untersuchung des Bauches. Dieser wird auf Verhärtungen oder Druckschmerz abgetastet. Weiterhin werden die Darmgeräusche abgehört. Auch die Betrachtung der Region um den After und die Untersuchung des Enddarmes mit dem Finger gehören zu einer umfassenden Erstuntersuchung.
Blutige und/oder schleimige Durchfälle stellen das Leitsymptom der Colitis ulcerosa dar. Weiterhin werden häufig vermehrter Stuhldrang, nächtliche Stuhlentleerung, krampfartige Bauchschmerzen und das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung beklagt.
Die Symptome bei Morbus Crohn können je nach Ausdehnung und Befallsmuster stark wechseln und sich unterscheiden, wobei Bauchschmerzen, Durchfälle und Gewichtsverlust sehr häufig angegeben werden.
Blutproben zeigen meist einen Anstieg der Entzündungsparameter. Dazu gehören eine Erhöhung von CRP (C-reaktives Protein), der BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), der Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten).
Um eine Erkrankung durch Bakterien auszuschließen, sind im Rahmen der Erstdiagnostik und bei Verschlechterung der Krankheitsaktivität Untersuchung des Stuhls v.a. auf Yersinien, Salmonellen, Shigellen, Clostriden und Campylobacter notwendig.
Was sind Sigmoidoskopie und Koloskopie?
Sigmoidoskopie und Koloskopie sind Untersuchungen, welche die Beurteilung der Dickdarmschleimhaut ermöglichen. Gleichzeitig können Proben zur feingeweblichen Untersuchung entnommen werden. Das Untersuchungsinstrument – Endoskop genannt – ist ein beweglicher Schlauch und wird über den After in den Darm eingeführt und weiter nach oben geschoben. Bei einer Sigmoidoskopie werden die Dickdarmabschnitte vom Rektum bis maximal zur linken Krümmung des Dickdarms (linke Flexur) untersucht. Zur Vorbereitung auf eine Sigmoidoskopie wird ein Einlauf verabreicht. Die Gabe von Beruhigungsmitteln ist nur in Einzelfällen erforderlich.
Die Koloskopie ermöglicht die Beurteilung des gesamten Dickdarmes und idealerweise mit Passage der Ileozökalklappe zusätzlich eine Beurteilung der letzten 15-20 cm des Dünndarmes. Zur Vorbereitung auf eine Koloskopie muss eine Abführlösung getrunken werden, um den Stuhl aus dem Dickdarm zu spülen. Nur mit einem gereinigten Darm kann der Untersucher die Schleimhaut ausreichend gut beurteilen. Die Untersuchung selbst wird in der Regel ambulant durchgeführt und kann je nach Patientenwunsch mit der Gabe von Beruhigungsmitteln zum Schlafen (Sedierung) erfolgen.
Zur Erstdiagnostik bei Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung ist eine komplette Koloskopie mit Beurteilung des terminalen Ileums und die Entnahme von Stufenbiopsien zur feingeweblichen Untersuchung erforderlich.
Bei indeterminierter Colitis (5-10 % der Veränderungen sind bei der Erstuntersuchung nicht als Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu identifizieren) wird eine erneute Koloskopie mit Stufenbiopsien empfohlen, wobei das Intervall zwischen den Untersuchungen von der klinischen Symptomatik abhängt.
Wann wird eine Gastroskopie durchgeführt?
Wurde in der Koloskopie (Dickdarmspiegelung) eine Colitis ulcerosa sicher diagnostiziert, kann auf die Magenspiegelung (Gastroskopie) verzichtet werden. Diese Untersuchung sollte jedoch unbedingt bei Verdacht auf Morbus Crohn oder entsprechenden Beschwerden seitens des Patienten durchgeführt werden. Der Morbus Crohn kann von der Mundhöhle bis zum Darmausgang in jedem Abschnitt des Verdauungstraktes vorkommen, so dass eine Magenspiegelung (mit Probenentnahme zur feingeweblichen Untersuchung) zur Diagnosefindung beitragen kann.
Was ist eine Doppelballonenteroskopie?
Bei der Doppelballonenteroskopie handelt es sich um eine neue endoskopische Methode, um den Dünndarm zu beurteilen. Im Jahr 2001 wurde diese Methode in Japan erstmals eingesetzt.
Ein Endoskop wird durch wiederholt aufblasbare Ballons schrittweise durch den Dünndarm geschoben. Diese Untersuchung dauert ca. 2 Stunden, wobei letztlich der ganze Dünndarm aufgefädelt und die Schleimhaut beurteilt wird.
Im klinischen Alltag wird diese Methode überwiegend bei unklaren Blutverlusten aus dem Magen-Darm-Trakt eingesetzt, wenn durch endoskopische Magen- und Dickdarmbeurteilung keine Blutungsquelle erkennbar war.
Für Patienten mit Morbus Crohn muss im Rahmen von Studien geklärt werden, wie groß der praktische Nutzen ist. Momentan findet die Doppleballonenteroskopie keinen Einsatz im klinischen Alltag. Zukünftig könnten bei Verdacht auf Morbus Crohn Proben aus allen Dünndarmabschnitten entnommen werden. Vielleicht lassen sich auch kurze Engstellen mit dieser Methode aufdehnen, so dass eine Operation vermieden werden kann.
Wann hilft der Ultraschall weiter?
Die Ultraschall-Diagnostik (Sonographie) des Bauchraums ist Bestandteil der Erst- und Verlaufsdiagnostik. Eine entsprechende Erfahrung des Untersuchers vorausgesetzt, kann der Befall der Wände des Darmtraktes mittels Ultraschall festgestellt werden. Messbar sind Wandverdickungen und deren Längenausdehnung. Die Abgrenzbarkeit der Wandschichten des Darmes gibt Hinweise auf die entzündliche Aktivität, je schlechter die einzelnen Wandschichten gegeneinander abgrenzbar sind, umso größer ist die entzündliche Komponente.
Weiterhin können mittels Ultraschall Komplikationen entdeckt werden, die vor allem bei Morbus Crohn Patienten auftreten. Hierzu gehören die Abbildung eines so genannten Konglomerattumors (entzündlich verklebte Darmschlingen), die Darstellung von
Stenosen, Fisteln oder Abszessen.
Werden Röntgenuntersuchungen eingesetzt?
Röntgenologische Untersuchungen des Dickdarms, die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) bleiben der Diagnostik von Komplikationen vorbehalten (
Stenosen, Abszessen, Fisteln).
Gelingt es koloskopisch nicht, eine enge Stelle im Dickdarm oder am Übergang vom Dick- zum Dünndarm zu überwinden, so kann eine Röntgenuntersuchung Aufschluss über das Ausmaß und die Länge einer Engstelle geben.
Die Computertomographie entdeckt mit hoher Treffsicherheit Abszesse im Bauchraum und kann deren Größenausdehnung und Lage ermitteln. Auch sind unter computertomographischer Sicht Punktionen dieser Eiteransammlungen möglich (auch ultraschallgestützt möglich, wenn mittels Ultraschall sichtbar).
Die früher übliche Röntgenuntersuchung des Dünndarms (selektive Dünndarmpassage) wurde weitgehend durch die Magnetresonanztomographie des Dünndarms ersetzt (MRT-Sellink). Hierbei kann bei Morbus Crohn ein Befall des Dünndarmes, das Ausmaß und die Schwere der Entzündung eingeschätzt werden. Auch enge Stellen und Fisteln zwischen den einzelnen Darmabschnitten oder in die Umgebung können aufgedeckt werden.
Was ist die Kapselendoskopie?
Seit dem Jahr 2000 ist es möglich, Bilder aus dem Inneren des Darms zu erhalten. Möglich macht das die 11x26 mm große und 3,7 g schwere Kapsel, welche geschluckt und durch die Darmbewegungen bis zur natürlichen Ausscheidung vorwärts bewegt wird. Die Kapsel schickt 2 Bilder pro Sekunde an einen Datenrekorder, welchen der Patient an einem Gürtel trägt. Über ungefähr 6-8 Stunden werden Bilder gesendet, die später von einem Arzt an einem Computer ausgewertet werden. Die Kapsel dient der Beurteilung des Dünndarmes, der bis auf die neue und aufwendige Untersuchung mittels
Doppelballonenteroskopie keiner endoskopischen Untersuchung zugänglich ist. Das große Lumen (innerer Hohlraum) des Dickdarmes und die vergleichsweise schwache Lichtquelle der Kapsel machen eine Beurteilung der Schleimhaut dort unmöglich, so dass die Kapsel kein Ersatz für die Spiegelung des Dickdarmes ist. Sie erweitert das bisherige Spektrum, den Magen-Darm-Trakt umfassend zu beurteilen.
Derzeit wird die Kapselendoskopie am häufigsten bei unklarer Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt eingesetzt, wenn die Magen- und Dickdarmspiegelung keine Blutungsquelle entdecken konnten.
Für Morbus Crohn Patienten kann die Kapsel helfen, einen Dünndarmbefall zu entdecken, welchen die Röntgenuntersuchungen bzw. die Magnetresonanztomographie (MRT) des Dünndarmes übersehen haben. Durch die direkte Schleimhautbeurteilung können kleinste Geschwüre erkannt werden. Allerdings sollte diese Untersuchung erst nach Ausschöpfung aller etablierten Untersuchungsmethoden und bei zu erwartender therapeutischer Konsequenz eingesetzt werden.
Die Kapselendoskopie birgt für die Crohn Patienten ein wichtiges Risiko - sie kann an einer Engstelle stecken bleiben. Damit wird vor jedem Einsatz der Ausschluss einer hochgradigen Engstelle im Magen-Darm-Trakt gefordert.
Es stehen sogar schon selbst auflösende Testkapseln zur Verfügung, welche die gleiche Größe wie die Videokapsel aufweisen und vor deren Einsatz intakt ausgeschieden werden müssen. Geschieht dies nicht innerhalb einer definierten Zeit, ist von einer Engstelle auszugehen und der Einsatz der Videokapsel verbietet sich.
Kapsel für die Kapselendoskopie
Bildquelle: Given Imaging







