© 2010 DCCV
Was ist ein Akuter Schub bei Colitis ulcerosa?
- Was ist ein Akuter Schub bei Colitis ulcerosa?
- Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung des akuten Schubes leicht- bis mäßiggradiger Aktivität bei Colitis ulcerosa?
- Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung des schweren Schubes bei Colitis ulcerosa?
- Was ist ein fulminanter Schub und wie wird er behandelt?
- Was ist ein toxisches Megakolon?
- Wie lässt sich ein chronisch aktiver Verlauf bei Colitis ulcerosa erkennen und behandeln?
- Wie erfolgt die Remissionsbehandlung bei Colitis ulcerosa?
Was ist ein Akuter Schub bei Colitis ulcerosa?
Zur Einteilung des Schweregrades der Entzündung finden die "Truelove"-Kriterien Verwendung, die überwiegend im Rahmen von Studien eingesetzt werden. Danach wird die geringgradige Colitis mit weniger als 4 blutigen Stuhlgängen pro Tag ohne den ganzen Körper betreffende Beschwerden definiert. Die schwere Colitis weist 6 oder mehr blutige Stühle am Tag, Fieber, beschleunigten Herzschlag (Tachykardie), Blutarmut (Anämie) und eine Beschleunigung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit auf.
Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung des akuten Schubes leicht- bis mäßiggradiger Aktivität bei Colitis ulcerosa?
Die Standardtherapie im leicht- bis mäßiggradigen Schub bei Colitis ulcerosa beruht auf dem Einsatz von Aminosalizylaten. Diese werden bei einer auf den letzten Teil des Dickdarms beschränkten Colitis ulcerosa (distale Colitis ulcerosa) lokal verabreicht. Hierfür stehen Einläufe oder Zäpfchen zur Verfügung. Als tägliche Dosis reicht 1 g 5-Aminosalizylsäure aus, wenn das Präparat direkt über den After in den Darm eingebracht wird. Bei Nichtansprechen auf Aminosalizylate ist ergänzend ein Steroid als Einlauf oder Schaum empfehlenswert. Das topische Steroid Budesonid ist nebenwirkungsarm und den systemischen Steroiden nach mehreren Studien wirkungsgleich und sollte daher bevorzugt eingesetzt werden.
Erreicht die Entzündung Ausmaße bis zur linken Flexur, ist zusätzlich ein Aminosalizylat in Tabletten oder Granulatform zu verordnen.
Zur Primärbehandlung des leicht bis mittelschweren Schubes bei ausgedehnter Colitis ulcerosa werden orale Aminosalizylate eingesetzt, wobei die Tagesdosis für 5-Aminosalizylsäure 3 g betragen muss, um eine sichere Wirkung zu erzielen.
Die Behandlungsdauer sollte sich über mindestens 4 Wochen erstrecken.
Für Therapieversager empfiehlt sich der Einsatz systemischer Steroide.
Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung des schweren Schubes bei Colitis ulcerosa?
Liegt ein schwerer Schub einer distalen oder ausgedehnten Colitis ulcerosa vor, sollte primär ein systemisch wirkendes Steroid eingesetzt werden. In verschiedenen (historischen) Studien angewandte Dosierungen zwischen 40 und 100 mg scheinen keine wesentlichen Wirkunterschiede aufzuweisen. Die Dosis sollte wöchentlich schrittweise nach klinischer Symptomatik reduziert werden. Für die oft praktizierte primäre Kombination aus Steroiden und Aminosalizylaten fehlen Daten für die Überlegenheit einer derartigen Behandlung.
Bei harten Kontraindikationen gegen Steroide kann primär Ciclosporin in einer Dosis von 4 mg/kg Körpergewicht täglich in die Vene gegeben werden.
Was ist ein fulminanter Schub und wie wird er behandelt?
Als fulminanten Schub bezeichnet man den schweren Schub einer Colitis ulcerosa mit Allgemeinsymptomen (Gewichtsverlust, Temperaturerhöhung über 38,5°C, kaum Darmgeräusche). Dieses schwere Krankheitsbild erfordert in jedem Falle eine stationäre Behandlung mit enger Zusammenarbeit von Internisten und Chirurgen.
Therapeutika sind Intravenös verabreichte hochdosierte Steroide (100 mg/Tag), ergänzt durch Flüssigkeits- und Elektrolytinfusion, meist in Kombination mit Antibiotika. Bei Versagen dieser Primärtherapie kommt eine zusätzliche intravenöse immunsuppressive Therapie (Ciclosporin) in Frage, die später oral fortgeführt werden muss (Azathioprin). Parallel zur medikamentösen Behandlung sollte stets die Indikation zur operativen Dickdarmentfernung geprüft werden.
Liegen harte Kontraindikationen gegen Steroide vor, so kann sofort Ciclosporin in die Vene verabreicht werden (2-4 mg/kg Körpergewicht) als Dauerinfusion.
Was ist ein toxisches Megakolon?
Ein toxisches MegaKolon ist eine lebensbedrohliche Überblähung des Dickdarmes durch eine schwerste Entzündung. Es tritt überwiegend bei Colitis ulcerosa Patienten auf, sehr selten bei Morbus Crohn Patienten. Durch eine gründliche klinische Untersuchung und eine Röntgenübersichtsaufnahme des Bauchraumes kann die Diagnose gestellt werden. Gemeinsam mit den Chirurgen muss engmaschig die Indikation zur Operation geprüft werden.
Wie lässt sich ein chronisch aktiver Verlauf bei Colitis ulcerosa erkennen und behandeln?
Die Definition des chronisch aktiven Verlaufes bei Colitis ulcerosa entspricht der Definition bei Morbus Crohn und findet sich unter bei Punkt 5.3.
Bei chronisch aktivem Verlaufes sind Azathioprin oder sein aktiver Metabolit 6-Mercaptopurin zur Therapie der Colitis ulcerosa in Analogie zum Morbus Crohn wirksam.
Azathioprin sollte mit 2-2,5 mg/kg Körpergewicht/Tag eingesetzt werden, 6-Mercaptopurin mit 1-1,5 mg/kg Körpergewicht/Tag wobei die Wirkung erst nach 2-6monatiger Behandlungszeit eintritt. Bei guter Wirksamkeit empfiehlt sich für die Colitis ulcerosa eine Therapiedauer von mindestens 3-5 Jahren.
Bei Colitis ulcerosa ohne Ansprechen auf die Immunsuppression oder bei erheblichen Nebenwirkungen sollte eine Dickdarmentfernung (Kolektomie) erwogen werden.
In Einzelfällen können auch die Immunsuppressiva Methotrexat und Tacrolimus versucht werden, um eine chronisch aktive Colitis in einen inaktiven Zustand zu überführen.
Wie erfolgt die Remissionsbehandlung bei Colitis ulcerosa?
Der Eintritt der Remission wird ebenso wie der akute Schub durch das klinische Verschwinden der anfänglichen Krankheitssymptome definiert.
Bei Colitis ulcerosa sollte im Gegensatz zum Morbus Crohn unbedingt eine remissionserhaltende Therapie begonnen werden. Dabei sind 5-Aminosalizylsäurederivate Mittel der ersten Wahl. Je nach Ausdehnung der Colitis können diese oral oder rektal verabreicht werden, wobei die Kombination bei ausgedehnter Colitis ulcerosa die wirksamste Rezidivprophylaxe darstellt. Die Tagesdosis zur Rezidivprophylaxe ist geringer als die Dosis zur Schubbehandlung (mindestens 1,5 g/d). Die remissionserhaltende Therapie sollte über eine Zeitspanne von mindestens 2 Jahren nach dem letzten Schub durchgeführt werden.
Eine Alternative im Rahmen der Rezidivprophylaxe stellt bei Unverträglichkeit von Aminosalizylaten oder entsprechendem Patientenwunsch das nicht krank machenden Koli-Bakterium Escherichia coli Stamm Nissle 1917 (Mutaflor®) dar.







