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Therapie mit Wurmeiern
Wieso Wurmeier?
Störungen der „Darmbarriere“, die den menschlichen Organismus vom Inhalt des Darmes und insbesondere von den dort lebenden Bakterien trennt, gelten neben einer genetischen Prädisposition als Ursache der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ohne Zweifel müssen aber noch andere (z.B. Umwelt-)Faktoren hinzukommen, um die Erkrankung auszulösen, anders wäre der Anstieg der Erkrankungs-Häufigkeit in den sogenannten „westlichen Ländern“ nicht zu erklären.
Sowohl Parasiten wie Würmer als auch Mykobakterien und andere über Jahrtausende den Menschen bewohnende Organismen sind von besonderer Bedeutung für die Entwicklung und Reifung bestimmter Bestandteile des Immunsystems. Durch die zunehmende Hygiene, die zweifelsohne in anderer Hinsicht gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, ist die Auseinandersetzung des Immunsystems mit Parasiten, Würmern u.ä. in westlichen Industrieländern heute deutlich seltener nötig.
Was: Schweinebandwurm? Schweinepeitschenwurm? TSO (Trichuris suis ova)?
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen hat man in verschiedenen Tiermodellen versucht, mit Hilfe von Würmern oder anderen Organismen das Neuauftreten oder Weiterbestehen chronischer Darmentzündungen zu beeinflussen. Verschiedenste Parasiten waren in der Lage in verschiedenen Modellen das Ausmaß einer Darmentzündung zu reduzieren, darunter auch Eier (ova) des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis) – nicht „Schweinebandwurm“, wie auch oft fälschlich zu hören ist.
Wurmeier schlucken?
Die oral eingenommenen Eier des Schweinepeitschenwurms können im menschlichen Darm zu Würmern auswachsen, sterben aber innerhalb von zwei Wochen wieder ab, da der Mensch kein geeigneter Wirt für diesen Wurm ist. Sie können daher auch nicht von einem Menschen zum anderen übertragen werden oder den Darm von anderen Personen dauerhaft besiedeln. Das bedeutet andererseits aber vermutlich auch, dass eine mögliche Wirkung nicht dauerhaft ist und die Einnahme in regelmäßigen Abständen wiederholt werden muss.
Therapie mit Trichuris suis ova (TSO)
TSO hat noch keine Zulassung als Arzneimittel in Deutschland oder Europa. Seit 2007 liegt aber zumindest eine Herstellerlaubnis (GMP Lizenz) für das Ausgangsmaterial in Dänemark und die Weiterverarbeitung in Deutschland vor, sowie die Erlaubnis der deutschen Behörden, TSO im Rahmen von klinischen Studien anzuwenden.
Eine erste zulassungsrelevante Studie im Bereich CED soll 2010 beginnen. Für eine Zulassung müssen mehrere Studien durchgeführt werden. Deswegen wird es -bei erfolgreichen Studien- bis zu einer offiziellen Einführung für die Therapie der CED noch mehrere Jahre dauern.
Anwendung kann noch nicht empfohlen werden
Auch wenn die Eier mit dem schriftlichen Einverständnis eines Arztes im Ausland bestellt werden können oder – insbesondere bei schwer kranken Patienten, bei denen herkömmliche Mittel nicht geholfen haben – ein Arzt einen sogenannten „individuellen Therapieversuch“ mit TSO beginnen kann (bei voller alleiniger Verantwortung des Arztes und meist auf Kosten des Patienten) gilt weiterhin:
Derzeit sind die Daten noch nicht ausreichend, um eine Anwendung empfehlen zu können. Die Therapie mit TSO sollte in jedem Fall von einem Arzt begleitet und überwacht werden.
Erstellt am 20. März 2009 unter Verwendung aktueller Informationen von Prof. Dr. Dr. Gerhard Rogler, Zürich, überarbeitet am 29. April 2009 von
TH.
Zum Hintergrund siehe auch folgende Artikel:

- Update: Therapie mit Wurmeiern - Wieso Wurmeier?
Thomas Werner Hackländer, Bauchredner: 3/2009Störungen der „Darmbarriere“, die den menschlichen Organismus vom Inhalt des Darmes und insbesondere von den dort lebenden Bakterien trennt, gelten neben einer genetischen Prädisposition als Ursache der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ohne Zweifel müssen, wie in diesem Schwerpunkt gezeigt, aber noch andere (z.B. Umwelt-)Faktoren hinzukommen, um die Erkrankung auszulösen, anders wäre der Anstieg der Erkrankungs-Häufigkeit in den sogenannten „westlichen Ländern“ nicht zu erklären. ...
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