Direkter Vergleich der gezielten Biopsie zur Bürstenzytologie von Gallengangsläsionen nach Gallengangsspiegelung mit Methylenblau
Was soll untersucht werden?
Die Gallengangsspiegelung (Choledochoskopie) ist ein Verfahren, mit dem Veränderungen und Verletzungen (Läsionen) von Gallengängen untersucht werden. Bis heute ist die Diagnosestellung bei dieser Untersuchung schwierig: So wird das Gallengangskarzinom, eine Krebserkrankung der Gallengänge, meistens erst erkannt, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht, so dass über 90 Prozent der Betroffenen an dieser Erkrankung versterben. Besonders für Patienten mit einer primär sklerosierenden Cholangitis (PSC), die ein erhöhtes Risiko haben, einen Gallengangskrebs zu bekommen, besteht nur eine schwierige und oft unzureichende Überwachung.
Alle Bilder, die man aus dem Gallengang gewinnt, ermöglichen keine hinreichend sichere Diagnose. Darum ist die zusätzliche Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) so wichtig. Diese Studie soll untersuchen, welche Technik der Biopsieentnahme für die Diagnosestellung besser geeignet ist, die bisher angewandte Bürstenzytologie, die eine nur eingeschränkte Aussagekraft besitzt, oder eine gezielte Biopsieentnahme nach Einfärbung des Gallengangs mit Methylenblau. Denn Methylenblau, das beispielsweise auch bei Chromoendoskopien im Darm zum Einsatz kommt, kann helfen, auffällige Bereiche im Gallengang besser abzugrenzen; und durch die gezielte Biopsieentnahme aus diesen Arealen soll der Pathologen das Gewebe besser beurteilen können.
Wer kann teilnehmen?
Teilnehmen können Patienten mit unklaren Gallengangsläsionen, in erster Linie PSC Patienten mit unklaren Gallengangsverengungen.
Nicht teilnehmen können Personen
- die weniger als 18 Jahre alt sind
- bei denen bösartige Veränderungen (Neoplasien) im Gallengang schon bekannt sind
- die an einem Tumor leiden
- die schwanger sind
- die stillen
- deren Blutgerinnung eingeschränkt ist (Quick < 50%:; PTT > 50 sec.)
Wie läuft die Studie ab?
Nachdem bei den Patienten eine Bürstenzytologie entnommen wurde, wird aus den auffälligen Arealen unter Sicht auch noch eine gezielte Biopsie entnommen und histologisch untersucht. Für die gezielte Biopsieentnahme werden 10-15 ml Methylenblau über den Arbeitskanal des Choledochoskops aufgesprüht. Nach Wartezeit von 2-3 Minuten wird die überschüssige Farbe mit 0.9% NaCl (Kochsalzlösung) weggespült und kann danach über den Zwölffingerdarm abfließen.
Die Gallengänge der teilnehmenden Patienten werden also insgesamt besonders gut untersucht.
Wie kann ich teilnehmen?
Wenn Sie an der Studie teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an den unten stehenden Ansprechpartner. Er wird Ihnen den genauen Studienablauf erklären und Ihre Fragen dazu beantworten.
Ansprechpartner:
Dr. med. A. Hoffman
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Johannes Gutenberg Universität Mainz
Langenbeckstr.1
Fon: 06131 17 7299
Fax: 06131 17 5552
Email: Ahoff66286@aol.com
DCCV-Kommentar
Kommentar zur Studie „Direkter Vergleich der gezielten Biopsie zur Bürstenzytologie von Gallengangsläsionen nach Gallengangsspiegelung mit Methylenblau“
Es handelt sich um eine relevante und hoch interessante Fragestellung, da die Diagnostik bei Verdacht auf bösartigen Veränderungen im Gallengangssystem, insbesondere bei Patienten mit PSC, sehr schwierig ist. Die Choledochoskopie und möglicherweise eine zusätzliche Färbung mit Methylenblau kann hier die diagnostische Treffsicherheit evtl. verbessern.
Allerdings birgt die Methode der Choledochoskopie und der Anfärbung mit Methylenblau auch größere Risiken. Dies betrifft insbesondere das Risiko einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, das zwar in den Händen eines erfahrenen Untersuchers insgesamt gering bleibt, aber doch deutlich höher ist als bei einer einfachen Bürstenzytologie.
Prof. Dr. A. Dignass, Frankfurt
Priv.-Doz. Dr. Klaus Herrlinger, Stuttgart
Birgit Kaltz, stellv. DCCV-Vorsitzende
Dieser Text wurde am 12.06.2008 im Internet veröffentlicht.







