Genetische Unterschiede bei betroffenen und gesunden Zwillingen
Hintergrund und Ziel der Studie
300.000 Menschen sind allein in Deutschland von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen, Tendenz steigend. Die Gründe für die Entzündugen des Verdauungstraktes sind nach wie vor weitgenhend unklar. Einige Ursachen, wie genetische Veranlagungen, beginnen wir jetzt, durch die Forschungsergebnisse der letzten Jahre, besser zu verstehen. Allerdings hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Mechanismen genetischer Steuerungen komplexer sind als anfänglich vermutet. Um die Voraussetzungen zu schaffen, die Krankheit nicht nur besser zu verstehen, sondern auch wirkungsvoller behandeln zu können, untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Schreiber (Christian-Albrechts-Universität Kiel) Veränderungen im Erbgut (DNA), so genannte Gen-Mutationen, die zu einer Veranlagung für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beitragen: ein wichtiger Schritt zur Aufklärung der Darmentzündungen. Neueren Erkenntnissen zufolge können nicht nur Veränderungen der Gene, sondern auch die Anzahl eines einzelnen für die Krankheit wichtigen Genes im Erbgut von großer Bedeutung sein. `Auch dadurch unterscheiden sich´ - laut Prof. Schreiber- `die Menschen in ihrem Erbmaterial viel stärker voneinander, als wir bisher wahrgenommen haben´. Genetische Copy-Nummer-Varianten (CNV) bezeichnen Abweichungen der Anzahl der Kopien eines bestimmten DNA-Abschnittes innerhalb eines Genoms. Mehr als 1.400 CNV sind beim Menschen bekannt. Man nahm bisher an, dass jedes Gen in zwei Kopien im Genom vorliegt. Jedoch zeigen einige Gene einen Verlust oder Zugewinn der Genkopien. So kann ein Gen in nur einer Kopienzahl, aber auch in drei, vier oder mehr vorliegen. Ähnlich wie mit Single-Nucleotide-Polymorphismen lassen sich auch mit CNV Individuen voneinander eindeutig unterscheiden, da diese CNV für jede Person spezifisch sind.. Diese können Auswirkungen auf die Veranlagung für Erkrankungen haben. Dergestalte Unterschiede im Erbgut werden auch als epigenetische Merkmale bezeichnet und betreffen die sekundäre Struktur der DNA.
Hinsichtlich dieser Merkmale könnten sich `identische´ Zwillinge voneinander unterscheiden und zur Klärung der Frage beitragen, warum oft nur eines der Geschwister erkrankt. So weiß man, dass bestimmte, bereits identifizierte Gene vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe entstehen lassen. Andere Gene wiederum reduzieren die Anzahl jener Eiweiße, die den Darm vor Entzündungen schützen.
Diesen Variationen in der sekundären Beschaffenheit des Erbgutes dürften sich auch auf das Immunsystem und die im Blut nachweisbaren Darmbakterien-spezifischen Antikörper auswirken, die ebenfalls gemessen werden sollen.
So will die hier vorgestellte Zwillingsstudie herausfinden, welche Bedeutung diese Differenzen im Erbgut für das Entstehen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa haben.
Studienteilnehmer
Ein- und zweieiige Zwillinge, von denen ein oder beide Geschwister an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erkrankt sind, sowie gesunde Zwillingspaare als Kontrollgruppe. Es können sich auch Zwillinge auf diesen Studienaufruf melden, die bereits an der
Zwillingsstudie teilnehmen
Studienablauf
Die Zwillinge erhalten postalisch einen Fragebogen sowie Blutröhrchen zugeschickt. Das Blut kann bei der nächsten Routine-Blutentnahme beim Hausarzt abgenommen und zusammen mit dem Fragebogen in einem vor-frankierten Rücksendeumschlag an das Studienzentrum verschickt werden
Aus dem Blut wird die DNA (Erbsubstanz) gewonnen. Sie enthält die genetische Information über den individuellen menschlichen Bauplan. Wir untersuchen die Erbsubstanz hinsichtlich sekundärer Struktur-Varianten wie der
unterschiedlichen Gen-Kopien-Anzahl bei betroffenen im Vergleich zu gesunden Zwillingen. So wird sich beweisen lassen , ob dieser Messgröße eine wichtige Rolle zukommt.
Die Daten werden gemäß den Vorgaben der nationalen Ethikkommission streng vertraulich behandelt. Das Kieler Zentrum hat eine besondere Kompetenz hinsichtlich des Schutzes von Patientendaten. Alle Forschungsdaten werden ohne Namen, nur mit einem verschlüsselten Code versehen gespeichert. Alle Mitarbeiter an der Studie stehen unter ärztlicher Schweigepflicht. Das Landesdatenschutz-Zentrum Schleswig Holstein sowie die medizinische Ethikkommission der Universität Kiel den Forschungsplan überprüft und positiv bewertet.
Kontaktadressen
Interessierte Patienten oder Ärzte, die Zwillinge anmelden möchten könnern sich wenden an:
Asklepios Westklinikum Hamburg
Prof. Dr. A. Raedler
Suurheid 20
22559 Hamburg
Tel.: 040 – 8191 4879
E-Mail:
a.raedler(at)asklepios.com
Studienteilnahme
Durch eine Studienteilnahme sollten Sie selbst keine Vorteile in der Diagnostik oder Behandlung haben (bzw. keine Nachteile falls Sie es ablehnen). Ein Zusatzeffekt ist jedoch das Zwillingstreffen, zu dem die Zwillinge regelmäßig eingeladen werden. An den Zwillingstreffen können auch Zwillinge teilnehmen, die nicht an der Studie teilnehmen. Ziel des Treffens sind das Kennenlernen der Zwillinge untereinander, der gegenseitige Erfahrungsaustausch und die Vermittlung von Wissen über die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Zu diesem Zweck werden Referenten zu fachspezifischen Themen eingeladen und ein unterhaltsames Abendprogramm organisiert. Auf diesem Wege sollen sowohl ein besseres Verständnis der Krankheitsursachen, als auch Kontakte zu Betroffenen und Fachleuten gefördert werden.







