Colitis ulcerosa

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Was ist Colitis ulcerosa?
Colitis ulcerosa (Abkürzung: Cu) ist eine chronische, d.h. langdauernde, und meist in Schüben verlaufende Erkrankung des Dickdarms unbekannter Ursache. Sie verursacht Geschwüre in der inneren Schicht des Kolons, wie der Dickdarm auch genannt wird. Diese Entzündung der Darmschleimhaut breitet sich kontinuierlich vom Mastdarm aus unterschiedlich weit im Dickdarm aus. Damit unterscheidet sich die Colitis ulcerosa von einer anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED), dem
Morbus Crohn, der alle Bereiche des Verdauungstrakts befallen kann. Beide chronischen Darmerkrankungen sind vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden, das durch Störungen der Muskelbewegungen des Dickdarms und nicht durch Darmentzündungen gekennzeichnet ist.
Zum Zeitpunkt der Diagnose ist bei etwa 25 bis 55 von 100 Patienten mit Colitis ulcerosa lediglich der Mastdarm befallen; man nennt die Erkrankung dann auch Proktitis. Als Proktosigmoiditis wird eine Colitis ulcerosa bezeichnet, deren Entzündung den Mastdarm und den letzten Teil des Dickdarms, das Sigma, erreicht. Als linksseitige Colitis oder Linksseitenkolitis wird die Entzündung bis zur linken Krümmung (linke Flexur) des Dickdarms genannt. Unter einer subtotalen Colitis versteht man eine Ausdehnung der Entzündung über die linke Flexur hinaus. Ist der gesamte Dickdarm von den Geschwüren betroffen, spricht man von einer Pankolitis oder totalen Colitis. Das sehr seltene „Hineinwaschen“ der Entzündung in die letzten Abschnitte des Dünndarms nennt man „Backwash-Ileitis“.
Blutige Durchfälle sind das häufigste Krankheitszeichen der Colitis ulcerosa. Betroffene haben zudem nicht selten Bauchschmerzen im linken Unterbauch, die wie Koliken auftreten, und die mit einem oft schwer kontrollierbaren Drang der Stuhlentleerung einhergehen und nach Stuhlentleerung wieder nachlassen. Bei schwerer Entzündung des Enddarms kann ein ständiger und schmerzhafter Stuhl- und Pressdrang auftreten. Manchmal kann der Stuhl auch nicht mehr richtig gehalten werden und es kommt zum unwillkürlichen Stuhlabgang. Je ausgedehnter der Dickdarm von der Entzündung betroffen ist, desto ausgeprägter sind die Durchfälle. Schwere Blutungen können zu Blutarmut führen. Allgemeinsymptome wie Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit können ebenfalls auftreten, allerdings im Durchschnitt seltener als bei Morbus Crohn. Dies gilt auch für Anzeichen von Begleiterkrankungen wie z.B. Hautveränderungen, Gelenkschwellungen und Augenentzündungen. Die körperliche Entwicklung (Wachstum, Gewicht) von Kinder und Jugendliche mit Colitis ulcerosa ist nicht selten verzögert.
Die Schwere der Krankheitszeichen kann bei Menschen mit Colitis ulcerosa sehr unterschiedlich sein. Wenn lediglich der Mastdarm betroffen ist, haben die Patienten meist nur leichte Symptome. Je weiter die Entzündung im Dickdarm fortgeschritten ist, desto ausgeprägter können die Durchfälle auftreten und desto höher ist das Risiko starker Schmerzen und von Komplikationen wie schweren Blutungen und einer krankhaften Ausweitung des Dickdarms (toxisches Megakolon).
Manche Betroffene können über viele Monate und sogar Jahre hinweg ganz beschwerdefrei leben. Bei anderen flammt die Erkrankung häufiger auf und sie brauchen den Einsatz vieler Medikamente oder auch chirurgische Eingriffe.
Wer bekommt Colitis ulcerosa?
In Deutschland wird die Zahl der Colitis ulcerosa Patienten auf 168.000 geschätzt (einschließlich der Patienten mit Proktitis). In einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern leben deshalb vermutlich im Durchschnitt 20 Betroffene. Männer und Frauen erkranken etwa gleich oft an Colitis ulcerosa - und zwar häufig als junge Erwachsene, im Alter zwischen 25 und 35 Jahren. Doch kann grundsätzlich jeder erkranken, auch Kleinkinder und ältere Menschen.
Die Ursachen der Colitis ulcerosa sind trotz intensiver Forschung bisher weitgehend unbekannt. Die Erkrankung wird offenbar in Familien vererbt, doch die genaue Erbfolge ist bisher unbekannt. Neben einem Mix unterschiedlicher Gene spielt vermutlich auch die Umwelt für den Ausbruch der Erkrankung eine Rolle. Dafür spricht zum Beispiel, dass die Erkrankung in den Industrieländern der nördlichen Welthalbkugel häufiger vorkommt als in weniger industrialisierten Ländern der Südhalbkugel.
Wie kann mein Arzt feststellen, ob ich Colitis ulcerosa habe?
Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass Sie Colitis ulcerosa (oder eine andere chronisch entzündliche Darmerkrankung, z.B. den Morbus Crohn) haben könnten, wird er Sie zunächst ausführlich über Ihre Beschwerden, über Vorerkrankungen und Allergien befragen und eine gründliche Untersuchung des gesamten Körpers vornehmen - dazu gehört ein Abtasten des Bauches auf Druckschmerz, die Betrachtung der Farbe von Haut und Schleimhäuten und die Untersuchung des Enddarms mit dem Finger. Um eine Erkrankung durch Bakterien auszuschließen, sind im Rahmen der Erstdiagnostik und bei Verschlechterung der Krankheitsaktivität Untersuchungen des Stuhls notwendig.
Wenn sich danach der Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung verstärkt, werden Blutuntersuchungen durchgeführt, die zwar keine Colitis ulcerosa feststellen, aber Hinweise auf Blutarmut, Vitamin- und Mineralstoffmangel und Anzeichen einer erhöhten Entzündungsaktivität im Körper geben können. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann versucht werden, den Ort der Entzündung im Dünn- oder Dickdarm zu erkennen.
Die wichtigste Untersuchungsmethode zur Diagnose eines Colitis ulcerosa ist jedoch die Betrachtung des gesamten Dickdarms (und möglichst auch vom letzten Teil des Dünndarms) mit einem Glasfiberinstrument, dem Endoskop, das nach einer gründlichen Darmreinigung durch den After in den Darm eingeführt wird. Durch diese endoskopische Untersuchung des Dickdarms, auch Koloskopie oder Dickdarmspiegelung genannt, werden zugleich Gewebeproben aus dem Darm entnommen, die dann meist Klarheit darüber schaffen, ob ein Colitis ulcerosa vorliegt. Durch eine strahlungsfreie Röntgenuntersuchung, die Magnetresonanztomographie (MRT), kann ein möglicher Befall des Dünndarms erkannt werden. So läßt sich die Verlässlichkeit einer Unterscheidung der auf den Dickdarm beschränkten Colitis ulcerosa von einem Morbus Crohn erhöhen, der auch im Dünndarm Entzündungen hervorrufen kann.
Wie wird die Colitis ulcerosa behandelt?
Eine Heilung der Colitis ulcerosa mit Medikamenten ist bisher nicht möglich. Allerdings kann durch eine medikamentöse Therapie die Darmentzündung meist wirksam zum Abklingen gebracht und die Krankheitssymptome unterdrückt werden. Die Behandlung der Colitis ulcerosa hängt davon ab, wie schwer die Aktivität der Erkrankung ist und in welchem Umfang der Dickdarm betroffen ist.
Ein leichter bis mittelschwerer Schub einer Colitis ulcerosa wird durch Medikamente mit dem Wirkstoff Mesalazin (Handelsnamen: z.B. Asacolitin®, Claversal®, Pentasa®, Salofalk®) behandelt, bei der Proktitis in Form von Zäpfchen, bei der Proktosigmoiditis in Form von Einläufen oder Schäumen, bei linksseitiger Colitis zusätzlich mit Tabletten und bei noch weiter ausgedehnter Colitis ulcerosa nur mit Tabletten. Diese Behandlung soll mindestens zwei Jahre lang nach Abklingen der Entzündung fortgesetzt werden, um einen neuen Schub hinauszuzögern bzw. einen beschwerdefreien Zustand zu erhalten ("Erhaltungstherapie"). Bei Unverträglichkeit von Mesalazin steht für die Erhaltungstherapie als zweite Wahl in leichteren Fällen auch das Bakterium Escherichia coli Stamm Nissle 1917 (Mutaflor®) zur Verfügung.
Glukokortikoide ("Kortison"-Präparate) z.B. mit dem Wirkstoff Prednisolon werden bei Versagen der Mesalazin-Therapie und bei schwereren Krankheitsschüben eingesetzt. Sie unterdrücken das Immunsystem. Wegen verschiedener Nebenwirkungen sollen diese Medikamente nicht zur Erhaltungstherapie eingesetzt werden.
Bei noch schwereren Verläufen der Colitis ulcerosa werden ergänzend oder anstatt der Glukokortikoide Medikamente verordnet, die das Immunsystem gezielt verändern; dies sind vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Azathioprin. Azathioprin steht für die Patienten zur Verfügung, denen Mesalazin nicht nützt, es wirkt aber erst nach drei bis sechs Monaten der Einnahme.
Was kann ich von der Behandlung erwarten?
Das Ausmaß des Erfolgs einer Behandlung der Colitis ulcerosa schwankt. Eine Heilung der Erkrankung ist zwar nicht bekannt, doch viele Betroffene sind über lange Zeiten hinweg frei von spürbaren Zeichen der Erkrankung. Eine konsequente Selbstbeobachtung der Patienten und regelmäßige Arztbesuche sind erforderlich, um Anzeichen eines neuen Krankheitsschubes und eventuelle Komplikationen der Colitis ulcerosa so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.
Bei etwa drei von zehn Patienten mit Colitis ulcerosa bringt die Behandlung mit Medikamenten keinen vollen Erfolg oder es treten Komplikationen auf. In einer solchen Situation können chirurgische Eingriffe in Erwägung gezogen werden. Dazu gehört auch die Entfernung des gesamten Dickdarms, durch die - anders als beim Morbus Crohn - weitere Krankheitsschübe dauerhaft vermieden werden können.
Bei lang andauernder Aktivität der Erkrankung können Betroffene depressiv werden oder andere Störungen des Gemütszustandes bekommen. In solchen Fällen wird der verständnisvolle Arzt dem Patienten psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung anbieten. Nicht immer sind dabei Gespräche mit Therapeuten nötig, die möglichst Erfahrungen mit chronischen Erkrankungen haben sollten. Oft hilft auch die Teilnahme an einem Schulungsprogramm zur Krankheitsbewältigung oder die Begegnung mit Gleichbetroffenen in einer Selbsthilfegruppe.
Die Colitis ulcerosa ist zwar eine schwerwiegende chronische Erkrankung, als tödliche Krankheit wird sie jedoch nicht angesehen. Trotz Einnahme von Medikamenten und gelegentlichen Krankenhausaufenthalten können die meisten Betroffenen ein glückliches und auch im Beruf erfolgreiches Leben führen. Das gilt vor allem für diejenigen Patientinnen und Patienten, die sich aktiv mit den Auswirkungen der Colitis ulcerosa auseinandersetzen und sich über Hilfsangebote informieren.
Wo erhalte ich weitere Informationen?
Deutsche Colitis ulcerosa / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV)
Bundesgeschäftsstelle
Paracelsusstraße 15
51375 Leverkusen
Beratungstelefon: 0214 87608-0
(Sprechzeiten: Mo 9 - 12 Uhr Di, Mi, Do 14 - 17 Uhr)
Fax: 0214 87608-88
E-Mail: info(at)dccv.de
Internet: www.dccv.de
Auf unseren Internetseiten erhalten Sie auch Informationen zu den anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), zum
Morbus Crohn und zur selteneren
Colitis indeterminata, bei der eine Unterscheidung zwischen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn schwierig ist.
Auf dieser Seite kann nur ein allgemeiner Überblick über die Erkrankung Colitis ulcerosa gegeben werden. Deshalb haben wir an anderer Stelle Informationen über
Forschung zu Colitis ulcerosa und über mögliche
Begleiterkrankungen zusammengestellt. Neuigkeiten zu Fortschritten in der Untersuchung und Behandlung der Colitis ulcerosa finden Sie rechts auf diesen Seiten.
Umgangssprachliche Übersetzungen medizinischer Fachwörter und von Abkürzungen stellen wir in unserem
medizinischen Wörterbuch zusammen. Außerdem bieten wir Hintergrundinformationen über den
Verdauungstrakt und Antworten auf besonders häufig gestellte Fragen - die "
Frequently Asked Questions" (FAQ) an.
Tipps zum
Leben mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können Ihnen helfen, die Colitis ulcerosa in Ihrem Alltag besser zu bewältigen. Beachten Sie bitte auch unsere Hinweise zu
Qualität und Aktualität unserer Informationen.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Alle hier veröffentlichten medizinischen und gesundheitsbezogenen Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information der Leser. Sie sollen lediglich das Verständnis über die Colitis ulcerosa und die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen fördern. Es handelt sich nicht um individuelle medizinische Ratschläge oder individuelle Behandlungsempfehlungen. Bei gesundheitlichen Fragen und Problemen - vor allem auch bei einer gewünschten Änderung oder Ergänzung der Behandlung - sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden. Die
DCCV-Bundesgeschäftsstelle (siehe oben) vermittelt Kontakt zu Fachärzten und anderen Fachleuten für Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, mit denen andere Betroffene gute Erfahrungen gesammelt haben.
Quellen
Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa - Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zusammen mit dem Kompetenznetz chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Hoffmann JC, Zeitz M, Bischoff SC, Brambs HJ, Bruch HP, Buhr HJ, Dignass A, Fischer I, Fleig W, Fölsch UR, Herrlinger K, Höhne W, Jantschek G, Kaltz B, Keller KM, Knebel U, Kroesen AJ, Kruis W, Matthes H, Moser G, Mundt S, Pox C, Reinshagen M, Reissmann A, Riemann J, Rogler G, Schmiegel W, Schölmerich J, Schreiber S, Schwandner O, Selbmann HK, Stange EF, Utzig M, Wittekind C.
in: Zeitschrift für Gastroenterologie, Jahrgang 42, Heft 9, September 2004, Seite 979-1032
Im Internet abrufbar: www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/021-009.htm und www.dgvs.de/322.php (zuletzt besucht 28.04.2006)
Hoffmann JC, Kroesen AJ, Klump B (Hg.)
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Thieme, Stuttgart 2004 (ISBN 3131381116)
Krummenerl A
FAQ: Häufig gestellte Fragen über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
www.dccv.de/faq (erstellt 2004, letzte inhaltliche Überarbeitung: 12/2005; zuletzt besucht 28.04.2006)
Kompetenznetz Darmerkrankungen
Der informierte Patient - Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
www.kompetenznetz-CED.de/index.php?patient (zuletzt besucht 28.04.2006)
Crohn's & Colitis Foundation of America (CCFA)
About Ulcerative Colitis & Proctitis
www.ccfa.org/info/about/ucp (zuletzt besucht am 28.04.2006)
erstellt: 28.04.2006 rs, geprüft 02.05.2006 ak, letzte Bearbeitung: 05.05.2006 rs






