Anderen zu helfen ist auch ein Stück Selbsthilfe für mich
Statement Thomas Leyhe, Kupferzell
Ich bin 47 Jahre alt und bereits seit 32 Jahren an Morbus Crohn erkrankt. Ich bin geschieden und habe zwei Kinder, seit sechs Jahren lebe ich mit meiner neuen Partnerin zusammen, die ebenfalls an Morbus Crohn erkrankt ist und die ich bei der Arbeit in der DCCV kennen gelernt habe. Bis zu meiner Berentung im Jahr 1997 - aufgrund des Morbus Crohn - war ich als Geschäftsführer in einem Fassadenbauunternehmen tätig.
Bei der Diagnose der Krankheit 1976 stand ich mit meiner Familie völlig allein da. Ohne richtige Aufklärung durch die Ärzte, ohne weitere Informationen, was mich als "chronisch Kranker" erwarten würde. Und das war einiges. Besonders belastend war für mich, dass es mir als "besonders schwerer Fall" über Jahre richtig schlecht ging, woran auch 17 Operationen nichts ändern konnten, die mich eher noch zusätzlich belastet haben. Heute kann ich mit einem verbliebenen Restdarm von zwei Metern und den daraus resultierenden Einschränkungen zwar nicht mehr beruflich tätig sein, aber doch ein einigermaßen normales Leben führen.
Auch heute sind meine beiden Kinder, 13 und 15 Jahre alt, und natürlich meine Lebensgefährtin mein großer Rückhalt.
Dass ich mit der Erkrankung nicht alleine dastehe, dass es andere Betroffene gibt, die sich über die Krankheit austauschen und Informationen weitergeben, habe ich sehr spät erfahren. Erst nach zwanzig Jahren "crohnischem Einzelkampf" wurde ich auf die Selbsthilfegruppe (SHG) Hohenlohe/Schwäbisch Hall aufmerksam und arbeitete dort auch gleich aktiv mit. Seit jener Zeit bin ich auch Mitglied der DCCV.
Durch mein Engagement als Kontaktperson in der SHG bin ich dann zur ehrenamtlichen Arbeit auch in der DCCV gekommen. Seit 2001 bin ich im Landesverband Baden-Württemberg aktiv. Zusammen mit Waltraud Müller und meiner Lebensgefährtin Martina Schlüter koordinieren wir die Arbeit der DCCV auf Landesebene. Seit Anfang 2007 bin ich auch im Vorstand der DCCV aktiv.
Dabei ist mir besonders wichtig, dass es neu Betroffenen nicht so ergehen muss, wie mir damals. Mit mehr als 30 Jahren "Betroffenenkompetenz" kann ich Neuerkrankten, den Betroffenen überhaupt und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen. Darum macht mir auch besonders die Planung von Arzt-Patienten-Seminaren und anderen Veranstaltungen viel Spaß.
Die Information über die Krankheit hat natürlich noch eine andere Seite. Da die Betroffenen durch die Erkrankung selbst und Begleiterkrankungen oft stark beeinträchtigt sind, ist es wichtig, bei Politik und Behörden, bei Arbeitgebern und im Umfeld und Bekanntenkreis der Betroffenen für Aufklärung zu sorgen und um Verständnis für die "nicht sichtbare Behinderung im Tabubereich" zu werben.
Durch mein Engagement im politischen und sozialen Bereich aufmerksam geworden, bin ich z.B. auch als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Heilbronn tätig. Das Engagement in der DCCV hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine mit der Erkrankung dastehe, dass ich trotz der Einschränkungen durch meinen Morbus Crohn meine Zeit noch sinnvoll einsetzen kann. Durch meine ehrenamtliche Arbeit für die DCCV habe ich ein ganzes Stück verloren geglaubter Lebensqualität zurückbekommen: Anderen zu helfen ist auch ein Stück Selbsthilfe für mich.
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