2011
Schwäche in der Abwehr: Neue Erkenntnisse zur Ursache von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Pressekonferenz zum Crohn & Colitis-Tag 2011, am 15. September 2011 in Leipzig
Kiel / Berlin – Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa begleiten Betroffene ein Leben lang und gelten als unheilbar. Experten nahmen bisher an, dass es sich bei der chronischen Entzündung des Darms um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der ein überaktives Immunsystem den Darm angreift. Doch nun ändert sich diese Sichtweise: Neue Studien zeigen, dass ein Versagen der angeborenen Abwehr gegen Darmbakterien der Auslöser für die Krankheiten ist. Die chronische Entzündung ist folglich als Reaktion und Antwort auf diese Abwehrschwäche zu verstehen. Was das für Betroffene bedeutet und welche Konsequenzen sich für Forschung und Behandlungsansätze ergeben, ist ein Thema bei der Pressekonferenz zum Crohn & Colitis-Tag 2011, am 15. September 2011 in Leipzig.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden häufig bei jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zum ersten Mal festgestellt. Symptome wie Übelkeit, krampfartige Bauchschmerzen, Durchfälle und Schwäche treten in Schüben auf, deren Form, Stärke und Verlauf individuell verschieden sind. Die bislang nicht heilbaren Erkrankungen schmälern die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich. Betroffene sind auf Experten angewiesen, die sich mit den Krankheitsbildern und Verläufen auskennen und die individuelle Therapie gut einstellen können.
Behandlungsansätze zielen zumeist mit so genannten Immunsuppressiva auf eine Unterdrückung des überaktiven Immunsystems ab und lösen zum Teil starke Nebenwirkungen bei Betroffenen aus. Für Ärztinnen und Ärzte sind Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung essentiell, die neue Ansätze zur Optimierung von Behandlungen ermöglichen. Diese Erkenntnisse liefern jetzt verschiedene Forscherinnen und Forscher und sie werfen damit ein neues Licht auf die Ursachen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.
Zuwenig – nicht zuviel Abwehr: Ein Versagen der angeborenen Abwehr
PD Dr. Jan Wehkamp, Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie / Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, und Mitglied im Kompetenznetz Darmerkrankungen, ist einer der Forscher, der stark zu einem Paradigmenwechsel in der Ursachenforschung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beiträgt. „Bisher gingen die meisten Experten davon aus, dass bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung ein übereifriges Immunsystem das gesunde Gewebe als Feind betrachtet und bekämpft, was ein typischer Mechanismus einer chronischen Entzündung ist. Diese Sichtweise ändert sich gerade grundlegend: Bereits vor mehr als 10 Jahren wurde gezeigt, dass sich die Entzündungsreaktion nicht primär gegen den eigenen Körper sondern gegen „normale“ Darmbakterien richtet. Ohne Anwesenheit dieser Bakterien schwächt die Entzündung im Darm ab. Weitere Studien zeigten, dass sich besonders bei Morbus Crohn Bakterien auf der Schleimhaut direkt festsetzen, die bei Gesunden nicht zu finden sind.“, erläutert Jan Wehkamp.
Und weiter: „Wir konnten diese Beobachtungen zunächst nicht mit unserem Wissen über die Krankheiten in kausale Verbindung bringen, aber neuere Studien beweisen jetzt, dass es sich um eine Schwäche der Darmabwehr gegen Bakterien handelt. Durch diese Abwehrschwäche direkt an der Darmoberfläche dringen Bakterien in die Schleimhaut ein. Nur als Folge davon, nicht als Ursache dafür, tritt die Entzündung auf: Die Entzündungszellen reagieren konsequenterweise auf das Eindringen der Bakterien und greifen die Mikroorganismen an weil das Immunsystem diese zu Recht als „fremd“ erkennt. Folge und zugleich Auslöser der klinischen Symptome ist dann eine chronische Entzündung – als Antwort auf die Abwehrschwäche mit dem Ziel, den keimfreien Zustand des gesunden Gewebes zu erreichen.“
Was bedeutet dieser Paradigmenwechsel für Patienten?
„Die jüngsten Erkenntnisse der Grundlagenforschung könnten zu grundsätzlich neuen Ansätzen in der Therapie führen. Voraussetzung dafür ist die Entwicklung von Substanzen, mit denen das angeborene Immunsystem und die Darmbarriere gestärkt und unterstützt werden. Hier gibt es erste positive Ansätze mit Wirkstoffgruppen, die zunächst jedoch in Studien überprüft und getestet werden müssen.“, erläutert Jan Wehkamp.
Natürlich bedeuten diese Erkenntnisse nicht, dass alle anderen, gerade aktuellen Therapien falsch sind. Gerade in einer akuten Phase bleibt es sehr wahrscheinlich weiterhin sinnvoll und notwendig die Immunreaktion des Körpers zu unterdrücken. „Ideal wäre es jedoch, das Immunsystem gegen Mikroorganismen gerade in entzündungsfreien Phasen so stärken zu können, dass die Unterdrückung der Immunantwort nur noch in seltenen Fällen notwendig sein wird“, so der Wissenschaftler.
Crohn & Colitis-Tag 2011
Neben einer verbesserten Versorgung setzen sich das Kompetenznetz Darmerkrankungen und der DCCV für einen intensiveren Austausch von ÄrztInnen und Betroffenen ein. Unter dem Motto „ HOCHAKTIV“ veranstalten sie den Crohn & Colitis-Tag 2011, der im Aktionszeitraum vom 16. September bis 15. Oktober statt findet und in verschiedenen Veranstaltungsformaten über die Erkrankungen informiert. Ziel ist, eine breite Öffentlichkeit über die chronischen Krankheiten und deren Bedeutung für Betroffene zu sensibilisieren.
Terminhinweise:
Pressekonferenz zum Crohn & Colitits Tag 2011 der Veranstalter „Kompetenznetz Darmerkrankungen“ und „Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV)“
Donnerstag, 15. September 2011, 13.45 bis 14.30 Uhr
CCL Congress Center Leipzig, Vortragsraum 10, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig
Crohn & Colitis-Tag 2011: Aktionszeitraum mit Veranstaltungen, Seminaren, Informationsständen vom 16. September bis 15. Oktober 2011 Informationen im Internet:
crohn-und-colitis-tag.de
Weitere Informationen:
Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V.
Reinhardtstr. 18
10117 Berlin
T: +49.(0)30.2000 392 0
E:
info(at)dccv.de
www.dccv.de
Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V.
Haus 27 (HNO), Arnold-Heller-Str. 3
24105 Kiel
T: +49.(0)431.597-3937
E:
sekretariat(at)kompetenznetz-CED.de
www.kompetenznetz-CED.de

30. September 2011:
Crohn & Colitis-Tag 2011. HOCHAKTIV! mit Crohn & Colitis
- Pressekonferenz: 15.09.2011
- Aktionszeitraum: 16.09. - 15.10.2011
Mehr als 320.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide Krankheiten sind bisher wenig bekannt. Das wollen die Organisatoren - das Kompetenznetz Darmerkrankungen und die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) - ändern und veranstalten gemeinsam den Crohn & Colitis-Tag 2011 am 30. September.
In einem Aktionszeitraum vom 16. September bis 15. Oktober 2011 werden Betroffene und Behandler: Selbsthilfegruppen, Krankenhäuser, Arztpraxen und viele weitere Veranstalter „hochaktiv“ sein und auf Arzt-Patienten-Seminaren, an Informationsständen usw. über die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen informieren und so das Thema und die Belange der Betroffenen in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit bringen. Termine unter
www.crohn-und-colitis-tag.de und
www.dccv.de/termine
Organisationsbüro, Veranstaltungsmeldungen & Infos zum Veranstaltungspaket:
Kompetenznetz Darmerkrankungen
Arnold-Heller-Str. 3, Haus 27 | 24105 Kiel
Tel.: 0431/597-3937 | Fax: 0431/597-3988
E-Mail:
sekretariat(at)kompetenznetz-CED.de
Internet:
www.crohn-und-colitis-tag.de
www.kompetenznetz-CED.de |
www.dccv.de
Pressekonferenz zum Crohn & Colitis-Tag
des Kompetenznetzes Darmerkrankungen und der DCCV im Rahmen der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011“, 14. bis 17. September 2011, CCL Leipzig
Termin: Donnerstag, 15. September 2011, 13.45 bis 14.30 Uhr
Ort: CCL Congress Center Leipzig, Vortragsraum 10, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig
Informationen/Akkreditierung:
Christina Seddig
Pressestelle
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-442, Fax: 0711 8931-167
E-Mail:
seddig(at)medizinkommunikation.org

04. Juni 2011:
JAHRESTAGUNG UND MITGLIEDERVERSAMMLUNG 2011
Hier mehr Informationen zum
Arzt-Patienten-Seminar und zum
Mitgliederversammlung der DCCV e.V. am 04.06.2011 in München.
Pressemeldungen /
News zur Jahrestagung und zum DCCV-Forschungsstipendium "Komplementärmedizin bei CED" 2011 erscheinen zur Tagung...
Neues zur chronischen Darmentzündung
Morbus Crohn/Colitis ulcerosa-Seminar in der Ludwig-
Maximilians-Universität München
Die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. lädt am Samstag, den 4. Juni 2011, nach München zu ihrer diesjährigen Jahrestagung ein. In der Ludwig-Maximilians-Universität (Pettenkoferstr. 14, 80336 München) findet von 9:00 -13:15 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital ein Informationsprogramm mit Vorträgen von führenden Wissenschaftlern statt.
Für Betroffene verständlich wird in zwei parallelen Blöcken (Kinder und Jugendliche / Erwachsene) über Diagnose und Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa informiert.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die Veranstaltung ist für die ärztliche Fortbildung zertifiziert. Betroffene und deren Angehörige können sich mit anderen Betroffenen austauschen und sich zu medizinischen und sozialrechtlichen Fragen beraten lassen.
Mehr unter
http://www.dccv.de/jahrestagung.
Die DCCV e.V. ist die Selbsthilfeorganisation der CED-Betroffenen. Wichtigste Aufgabe des Verbandes mit etwa 20.000 Mitgliedern ist die Beratung und Unterstützung sowie die Hilfe bei der Durchsetzung sozialrechtlicher Ansprüche.
###COMMENTS###Hilft Kolostrum, die Erstmilch von Säugetieren, gegen Entzündungen der Darmwand?
DCCV e.V. verleiht Forschungsstipendium "Komplementärmedizin bei CED" an Wissenschaftlerin aus Rostock
Pressemitteilung, 4. Juni 2011
Berlin (DCCV) – Diplom-Biologin Peggy Bodammer versucht zu klären, ob Kolostrum, die Erstmilch von Säugetieren, Entzündungsprozesse in der Darmschleimhaut reduzieren kann. Dies wird von der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. nun mit einem am 4. Juni 2011 auf ihrer Jahrestagung in München verliehenen Forschungsstipendium in Höhe von 20.000 Euro unterstützt.
Frau Peggy Bodammer ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Gastroenterologie des Universitätsklinikums Rostock tätig. Das geförderte Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der „Charakterisierung anti-inflammatorischer und immunmodulatorischer Effekte von Kolostrum bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“.
Die Verleihung des Forschungsstipendiums "Komplementärmedizin bei CED" erfolgte auf der Jahrestagung der DCCV in München. Ditmar Lümmen und Birgit Kaltz, Vorsitzender und stellvertretende Vorsitzende der DCCV, gratulierten der Stipendiatin und überreichten ihr die Urkunde. Die Laudatio hielt Frau Professor Dr. Sybille Koletzko vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilian Universität München.
Mit dem DCCV-Forschungsstipendium "Komplementärmedizin bei CED" engagiert sich ein großer Selbsthilfeverband in der Forschungsförderung, denn noch immer sind die Ursachen für die Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weitgehend unbekannt. Die DCCV-Forschungsstipendien sollen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland die Chance geben, erste Forschungsergebnisse mit innovativen Ansätzen zu erzielen. Der Preis wird aus Erträgen der Deutschen Crohn/Colitis Stiftung finanziert. Der wissenschaftliche Beirat der DCCV hat die Federführung bei der Begutachtung von Anträgen. (Verfahren und Leitfaden unter
www.dccv.de/stipendien).
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche, in Schüben verlaufende Erkrankungen des Verdauungstraktes. Starke Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, allgemeine Erschöpfungszustände und häufige Durchfälle sind Hauptsymptome. Hinzu kommen Auswirkungen auf andere Organe und seelische Belastungen. Die Ursachen sind trotz intensiver Forschungen noch weitgehend unbekannt. Deshalb beschränkt sich die Therapie immer noch auf die Behandlung der Symptome. In Deutschland sind nach Schätzungen der DCCV rund 320.000 Menschen von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung betroffen.
Kontakt:
Christine Witte, Referentin Wissenschaft, Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung - DCCV - e.V., Bundesgeschäftsstelle, Reinhardtstraße 18, 10117 Berlin, Tel.: 030 / 2000392-50, Fax: 030 / 2000392-87, E-Mail:
cwitte(at)dccv.de. Diese Pressemitteilung ist auch im Internet abrufbar:
www.dccv.de/news
Zusammenfassung
des mit dem DCCV- Forschungsstipendium "Komplementärmedizin bei CED" 2011 ausgezeichneten Forschungsvorhabens von Diplom-Biologin Peggy Bodammer (Abteilung für Gastroenterologie am Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Fakultät der Universität Rostock).
Als ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wird zunehmendem Maße ein Barrieredefekt der Darmmukosa diskutiert. Von verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass Kolostrum, die Erstmilch von Säugetieren, mukosale Entzündungsprozesse reduzieren kann. Bisher liegen jedoch keine Untersuchungen zur Beeinflussung der Mukosabarriere durch Kolostrum vor. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Charakterisierung der Wirkung von Kolostrum auf die mukosale Entzündung und die Barrierefunktion u.a. durch tierexperimentelle Untersuchungen an Mäusen.
Die gewonnenen Ergebnisse sollen zum besseren Verständnis der möglichen Wirksamkeit von Kolostrum bei der Behandlung der CED beitragen.
- Dateien:
20110604_pm__dccv_KOMP.pdf










