Schädlicher als viele meinen: Rauchen bei Morbus Crohn
Morbus Crohn Patienten kennen die allgemeinen gesundheitlichen Risiken des Rauchens. Sie sind sich jedoch der besonders schädlichen Auswirkungen des Rauchens auf den Verlauf ihrer chronischen Erkrankung nicht bewusst. Es sind deshalb mehr Patientenschulungen erforderlich, die den Betroffenen die besonderen Gefahren des Rauchens bei Morbus Crohn vermitteln. Hierfür steht inzwischen ein Schulungsprogramm zur Verfügung, das die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) herausgegeben hat.
In einer in Birmingham (Großbritannien) und Stanford (USA) durchgeführten Studie waren 312 Morbus Crohn Patienten über die Auswirkungen des Rauchens auf Morbus Crohn und die allgemeine Gesundheit mit 8 Fragen und vorgegebenen Auswahlantworten befragt worden. Dabei zeigte sich, dass sich die Patienten der negativen Auswirkungen des Rauchens auf die allgemeine Gesundheit - z.B. im Hinblick auf das Risiko für Lungenkrebs, Lungenerkrankungen und Herz- und Gefäßerkrankungen - meist durchaus bewusst waren. Doch nur wenige Betroffene kannten die Risiken des Rauchens für einen schweren Verlauf des Morbus Crohn (10%) und für zusätzliche Operationen wegen wiederkehrender Krankheitsschübe (12%). Auch die Tatsache, dass die Häufigkeit und Dauer des Rauchens Einfluss auf das Risiko von Nachoperationen hat, war nur bei 11.4% bzw. 17,4% der Patienten bekannt. Besonders große Wissenslücken zeigten sich bei Morbus Crohn Patienten, die selbst rauchten, und bei Betroffenen über 65 Jahren.
Eine kürzlich von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) herausgegebene und von Ärzten der Hartwald-Rehabilitationsklinik (Bad Brückenau) erarbeitete Patientenschulung für chronisch entzündliche Darmerkrankungen hat als eines ihrer Lernziele die Vermittlung von Wissen über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens bei Morbus Crohn. Auf einer der Muster-Folien (S. 22) heißt es:
Auswirkungen des Rauchens auf den Verlauf des Morbus Crohn
- Signifikant mehr Schübe
- Erhöhung der Rezidivrate
- Verbrauch an Glukokortikoiden und Immunsuppressiva erhöht
- Vergrößert das Operationsrisiko und erhöht die Rezidivrate nach Operationen (Darmresektionen)
- Erhöhung der extraintestinalen Komplikationen (Osteoporose, perianale Manifestation, enteropathische Sacroiliitis)
- Rauchen erhöht die Frühgeburtenrate
- Rauchen und orale Kontrazeptiva verstärken die Bauchsymptomatik
- Erhöhung der Mortalitätsrate
- Verschlechterung der Lebensqualität
Wissen alleine genügt nicht, wenn eine Verhaltensänderung nötig ist. Der CED-Fachmann und Arzt für psychotherapeutische Medizin Dr. med. Winfried Häuser hat wertvolle Hinweise zur Raucherentwöhnung zusammengestellt. Außerdem bieten viele gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten Raucherentwöhnungs-Kurse an. Informationen erhält man bei den jeweiligen Geschäftsstellen.
Quelle:
Ryan
WR, Ley C, Allan RN, Keighley MR.
Patients With Crohn's Disease Are Unaware of the Risks That Smoking Has on Their
Disease.
J Gastrointest Surg. 2003 Jul;7(5):706-711.
Zilly
W, Goischke EM
Krankheiten des Verdauungssystems. Curriculum: Chronisch-entzündliche
Darmerkrankungen (Curricula für das Gesundheitstraining in der medizinischen
Rehabilitation)
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Berlin 20.2.2003 (pdf, 464 kb)






