Lactose in Azathioprin-Präparaten
Eine CED-Betroffene ruft in der Telefonberatung der DCCV an. Sie erzählt, dass sie unter Azathioprin lange Zeit beschwerdefrei gewesen sei. Dann aber sei es ihr auf einmal wieder richtig schlecht gegangen. Die Ärzte hätten einen neuen Schub vermutet und zusätzlich andere Medikamente eingesetzt, aber es sei nicht besser geworden. Ihr selber sei dann eines Tages eingefallen, dass sie in der Apotheke ein anderes als das gewohnte Azathioprin-Präparat erhalten habe. Ein Blick in den Beipackzettel habe danach ergeben, dass das neue Präparat Lactose enthielt. Die Betroffene hat eine Lactoseintoleranz. Nach einem erneuten Wechsel des Präparates ging es ihr rasch wieder besser.
Einige Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) haben zusätzlich eine Lactoseintoleranz. Dennoch enthalten manche Präparate, die bei der Behandlung der CED zum Einsatz kommen, Lactose. Die Menge ist so gering, dass sie zumeist keine Schwierigkeiten machen dürfte. In Einzelfällen, wie sie uns aus der Beratung bei der DCCV bekannt sind, kann das aber anders sein. Und: Für Patienten, die auf Nummer sicher gehen wollen, gibt es Alternativen.
So hat eine Recherche der DCCV ergeben, dass es sehr unterschiedlich ist, ob ein Azathioprin-Präparat Lactose enthält oder nicht:
Herstellerfirma | Präparat | Lactose enthalten? |
1A Pharma | Azathioprin 1A Pharma | ja |
Actavis | Azathioprin Puren | nein |
Aliud Pharma | Azathioprin AL | nein |
Betapharm | Azathoprin beta | ja |
Falk | Azafalk | nein |
Ferring | Colinsan | nein |
GlaxoSmithKline / Esai | Imurek | ja |
Hexal | Azathioprin Hexal | ja |
Medac | Azamedac | ja |
Merckle Recordati | Zytrim | nein |
Mibe | Azaimun | ja |
Q-Pharm /Juta Pharma | Aza-Q | ja |
Ratiopharm | Azathioprin-ratiopharm | nein |
Sandoz | Azathioprin Sandoz | ja |
Stada | Azathioprin STADA | nein |
Quelle: Rote Liste.
Ein Problem können in diesem Zusammenhang die Rabattverträge darstellen, die die Krankenkassen mit bestimmten Pharmaunternehmen geschlossen haben, um die Kosten für Arzneimittel zu senken. Diese Verträge führen dazu, dass die Patienten je nach ihrer Krankenversicherung in der Apotheke nun Medikamente eines bestimmten Herstellers erhalten, mit dem die Krankenkasse einen entsprechenden Vertrag geschlossen hat. Einige Patienten bekommen also neue Medikamente, die zwar denselben Hauptwirkstoff enthalten wie ihre bisherige Medikation, die sich aber in den sonstigen Bestandteilen unterscheiden. Dadurch kann es zu neuen Unverträglichkeitsreaktionen kommen, die aufgrund ihrer Symptome unter Umständen mit einem neuen Schub verwechselt werden können.
Patienten sollten bei einem Wechsel des Medikaments besonders aufmerksam sein und Rücksprache mit ihrem Arzt nehmen, wenn es ihnen schlechter geht. Wird eine Unverträglichkeitsreaktion vermutet, sollte der Arzt gezielt ein anderes Präparat eines anderen Herstellers verschreiben.
Darüber hinaus wird die DCCV in den nächsten Wochen
- Krankenkassen nachdrücklich darauf hinweisen, dass Rabattverträge nicht dazu führen dürfen, dass Patienten auf einmal ein neues Medikament erhalten, das sich in seinen Inhaltsstoffen von der bisherigen Medikation unterscheidet und somit neue Unverträglichkeitsreaktionen provozieren kann
- Kontakt zum Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufnehmen und dafür eintreten, dass ein Bestandteil wie Lactose schon auf der Umverpackung des Medikaments vermerkt wird
- Kontakt zu den Pharmafirmen aufnehmen und dafür eintreten, auf einen Bestandteil offenbar nicht notwendigen, aber möglicherweise Unverträglichkeiten provozierenden Bestandteil wie Lactose zu verzichten.







