Diskussion um Risiken von Anti-TNF-Therapie
In einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "The Journal of the American Medical Association" in dieser Woche wurden erhöhte Risiken für schwere Infektionen und Tumorbildung bei der Therapie von Rheumapatienten mit zwei Anti-TNF-Präparaten (Infliximab, Adalimumab) berechnet. Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung - DCCV - e.V. warnt vor einer Auslegung der Daten, die Patienten verunsichert.
Anhand einer
Metaanalyse (Einbeziehung mehrerer Studien in eine übergeordnete statistische Auswertung) wird ein um ein 2,2 fach erhöhtes Risiko von schweren Infektionen und ein 3,3 fach erhöhtes Risiko einer Tumorerkrankung in Zusammenhang mit der Gabe von Remicade® und Humira® berechnet. Eine Verallgemeinerung dieser Werte erscheint zweifelhaft, wie die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (
DGRh) und das
Kompetenznetz Darmerkrankungen in ihren Stellungnahmen verdeutlichen.
Die DCCV als Vertretung für Betroffene mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) möchte in diesem Zusammenhang auf folgende Aspekte hinweisen:
- Ein erhöhtes Risiko von schweren Infektionen unter der Therapie mit Anti-TNF ist lange als Nebenwirkung bekannt. In diesem Zusammenhang sind auch Todesfälle zu beklagen. Sorgfältige Voruntersuchungen sind notwendig, um z.B. eine Tuberkulose-Erkrankung auszuschließen, die unter der Antikörperbehandlung wieder aufflammen kann.
- Das erhöhte Risiko von Tumoren ist umstritten, da Langzeitanalysen noch nicht möglich sind; es ist nicht auszuschließen, dass mit längerfristiger Gabe von Anti-TNF oder nach längerer Zeit noch unbekannte Risiken entstehen. In der genannten Metaanalyse gingen höhere Dosierungen mit höherem Krebsrisiko einher.
- Ein weiteres Risiko sind allergische Reaktionen gegen Bestandteile der Wirkstoffe.
Insgesamt ist der Einsatz einer Anti-TNF-Therapie nur nach sorgfältiger und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll. Diese Abwägung muss durch den Patienten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geschehen, wobei sowohl medizinische Aspekte als auch der Aspekt der Lebensqualität mit einbezogen werden müssen.
Wann der "medizinisch richtige" Zeitpunkt einer Therapie mit Anti-TNF vorliegt, ist unter Experten umstritten. Fakt ist, dass für einige Patienten diese Therapie eine letzte Möglichkeit darstellt, wenn andere Therapien versagt haben. Hier empfinden die Betroffenen den Nutzen i.a. höher als das Risiko.
Grundsätzlich sieht die DCCV die Betreuung durch sehr CED-erfahrene Ärzte bzw. Zentren als Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Risiken.
Die Schaffung eines europaweiten Langzeitregisters für alle mit Ant-TNF Antikörpern behandelten Patienten wäre sinnvoll und wünschenswert, um zukünftig verlässliche Aussagen zur Sicherheit, zu langfristigen Nebenwirkungen und Komplikationen machen zu können und nicht nur Studienpatienten, sondern alle mit Anti-TNF Antikörpern behandelten Patienten zu erfassen.
Quellen:
Bongartz, T. et al: Anti-TNF Antibody Therapy in Rheumatoid Arthritis and the Risk of Serious Infections and Malignancies. The Journal of the American Medical Association Vol. 295 No. 19, May 17, 2006
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zum Artikel Bongartz et al.: Anti-TNF antibody therapy in rheumatoid Arthritis and the risk of serious infections and malignancies. JAMA May 17, 2006, Vol. 295, No. 19, 2275-85
Stellungnahme "Kompetenznetz Darmerkrankungen"
Weitere Informationen zu Anti-TNF-Therapie finden Sie in den "FAQ" (Häufig gestellte Fragen) zu CED auf der Website der DCCV:
Was ist Infliximab (Remicade®) und wann ist es sinnvoll?
Welche Medikamente werden derzeit erforscht?






